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Der letzte Feind - Vorwort

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Regine
Goldblitzbold


Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 15 Jul 2007 13:45    Titel: Der letzte Feind - Seite 15
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Was bisher (S.1-14) geschah:
Der professionelle Saboteuer Robert T. Wells ist mit dem von seinem Chef geliehenen Raumer unterwegs, um einen streng geheimen Auftrag auszuführen.
Trotz mangelnder Technikkenntnisse gelingt es ihm dank kreativen Umdenkens, das Zielraumschiff ohne den normalerweise unverzichtbaren Transporter zu erreichen. Wider Erwarten wird er dort...nun...erwartet. Und zwar vom Besitzer des besagten Schiffes, Fürst Grausam, der nebenbei auch noch als der letzte und vor allem gefährlichste Feind der Menschheit angesehen wird.
Der Fürst ist ganz und gar unzufrieden. Er bringt Rober zurück auf dessen Schiff und lässt den deffekten Transporter raparieren. Offenbar liegt dem Fürsten viel daran, dass der Saboteur den Transporter benutzt. Robert T. Wells gibt sich derweil alle Mühe die verbleibende Zeit zu nutzen und den Fürsten über seine Motive auszuhorchen.
Der widerum verwickelt seinerseits den Saboteuer in ein scheinbar sinnloses Gespräch über die Herkunft der Völker der Galaxis, bis die Techniker ihm grünes Licht für den reparierten Transporter geben. Der Fürst sorgt dafür, dass der sich heftig widersetzende Millitär den Transporter besteigt und erwartet ihn auf seinem eigenen Schiff.
Dort angekommen fällt Wells in eine Art Erinnerungstrance, die ihn zurückführt zu einer streng geheimen Stizung der 'Verbündeten der Galaxis'.

Hier geht's weiter....
------------

Es dauerte eine Weile, bis sich der Aufruhr gelegt hatte und es wieder still war. Kondor ergriff das Wort.
„Es gibt etwas, dass ihr über mich und über Fürst Grausam nicht wisst. Dies zu erfahren seid ihr heute hier. Ich bitte euch, mich ohne Unterbrechung fortfahren zu lassen. Ihr solltet das wirklich hören.“ Kondor erntete ein einheitlich resignierendes Nicken von seinen Gästen. “Bevor ich fortfahre möchte ich Fürst Grausam gerne bitten, zu uns zu stossen. Ich bitte euch, mir zu vertrauen. Es besteht keine Gefahr.“ Wells lachte leise. 'Nein, natürlich nicht.' dachte er bei sich. 'Völlig klar'

Eine Tür im hinteren Bereich des Raumes öffnete sich. Grausam trat hindurch und begab sich zu dem verwaisten Stuhl direkt neben Kondor. Lauernde Stille umgab ihn. Er wusste nur zu gut warum das der Fall war. Nicht die Ehrfurcht, sondern die Technik trug die Schuld daran. Die

Übersetzer funktionierten gewöhnlich im vorgegebenen Rahmen, aber sobald mehr als eine Person sprach wurde es wirklich schwierig alles zu verstehen. Das akkustische Chaos konnte schnell ein Stadium erreichen, dass die Schmerzgrenze überschritt. Die Menschen schworen auf ihre Chip-Technologie. Aber die übrigen Vertreter der Galaxis hegten ein natürliches Misstrauen gegen Fremdköper, die man ihnen in den Neocortex rammen wollte, und verliessen sich lieber auf den allgemein üblichen, handtellergrossen Übersetzer, der in der Mitte des Tisches plaziert war. Kondor wusste schliesslich, im allgemeinen liefen sich die fremden Völker nicht so oft über den Weg, dass eine Sprachbarriere hinderlich wäre. Und die Diplomaten unter ihnen lernten eben einen haufen Fremdsprachen. Nur die Bewohner der Erde bildeten eine Ausnahme und vertrauten auf Technik, die noch keine hundert Jahre im Einsatz und damit noch nicht hinreichend getestet war. Aber das war ihr Problem, nicht das seine.

Grausam stand an seinem Platz. Er sah viel Misstrauen in den angespannten Gesichtern um ihn herum. Wells Gesicht konnte er nicht sehen, weil der Agent seinen Kopf auf den über dem Tisch verschränkten Armen barg. Es schien ihm nicht sehr gut zu gehen. Unvermittelt schnellte er hoch und sah Kondor herausfordernd an.
„Du hast ihn doch aber nach Waffen durchsucht, ja? Hast Du ihm wenigstens auch den Schild abgenommen?“
„Nein. Das war nicht notwendig.“ Antwortete der Botschafter und galaktische Beschützer ruhig. „ Er hat sich seiner Bewaffnung freiwillig entledigt.“
„Ach sooooo. Ja dann...!“
Der General fuhr seinen Untergebenen unwirsch an: „Mann, werden Sie jetzt mal nicht hysterisch wie ein Schulmädchen.! Reissen Sie sich gefälligst zusammen und hören Sie zu! Wir alle haben unsere Zeit nicht gestohlen und mich persönlich interessiert das hier!“
Wells „Jawohl Sir.“ klang wie die unwillig gemurmelte Zustimmung zu einer Woche Web-Verbot.

Grausam ergriff das Wort. „Auch ich danke euch für euer Kommen. Ich habe die Unterhaltung mit angehört. Wie Kondor schon sagte, ist dies die Gelegenheit, der Galaxis den Frieden zu bringen. Vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber doch für eine ziemlich lange Zeit.“
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Regine
Goldblitzbold


Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 17 Jul 2007 16:45    Titel: Der letzte Feind - Seite 16
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Woltars Hand landete schneller auf Wells Arm als dieser den Mund aufmachen konnte. Der aufgebrachte Saboteur schwieg, aber es kostete ihn Überwindung.

„Ich bitte euch nicht, mir euer Vertrauen zu schenken, denn dazu habe ich noch keinen Anlass gegeben. Aber ich bitte euch, Kondor zu vertrauen. Ihr alle kennt ihn. Er hätte mir nicht erlaubt, hier zu sein, wenn er nicht von der Ernsthaftigkeit meiner Absicht überzeugt wäre.“
Murrend dachte Wells, dass sollte nicht viel heissen. Schliesslich war er selbst ebenfalls von den absichten des Fürsten überzeugt.

„Tatsächlich“, fuhr Kondor fort, „arbeiten wir bereits seit einem Jahr zusammen. Seit dem Tag, an dem der Fürst mich zum letzten mal offiziell aufgesucht hat.“
Diesmal blickte Wells ehrlich überrascht auf. Das war doch reiner Unsinn. Wells erinnerte sich nur zu gut daran, wie ungehalten Grausam nach seinem letzen Besuch gewirkt hatte. Für die Zeit der Verhandlungen hatte sowohl die Basis als auch Grausams Streitkräfte alle Kampfhandlungen ausgesetzt. Nach seinem Besuch bei Kondor jedoch hatte Grausam seine kriegerische Ader wiedergefunden.

„Wie das?“ fragte der Vertreter der Juniten, der nicht minder verblüfft aussah als Robert sich fühlte.
Kondor nickte ihm zu. „Es existiert eine Aufzeichnung von unserem Gespräch damals. Mit eurer Erlaubnis würden wir sie euch gerne zeigen.“ Niemand protestierte. Die 3-D-Aufzeichnung wurde gestartet. Kondor schien auf einmal doppelt anwesend zu sein. Sein zweites Ich erschien im hinteren Teil des Raumes. Die Erscheinung Grausams trat soeben ein. Nach der offiziellen Begrüssung und Kondors Einladung, frei zu sprechen, begann Grausam.

„Du weisst, wer ich bin?“ fragte das Double.
„Natürlich. Wir kennen uns doch seit langer Zeit, was soll die Frage?.“
„Und natürlich kennst Du auch das Ziel, das ich verfolge.
„Dwenn ich mich recht erinnere wünschtst Du, früher oder später Herr über die Galaxis zu werden.“
„Das trifft es in etwa. Hast du eine Idee, warum ich das möchte?“
„Ich hatte angenommen, du handelst aus Machtgier.“
„Was auch nicht ganz falsch ist.“
„Damit ist diese Frage geklärt. Aber was wünschst du nun von mir? Warum dieses Treffen?“
„Ich brauche deine Hilfe.“
„Du kommst zu mir, um mich um Hilfe bei der Eroberung der Galaxis, deren Beschützer mein Volk ist, zu ersuchen?“
„Nein. Ich komme zu dir, um dich zu fragen, ob du einen Weg siehst dieses Streben zu beenden.“
Der Gesichtsausdruck des Pseudo-Kondors liess an dieser Stelle der Aufzeichnung zum ersten Mal so etwas wie Verwirrung erahnen.
„Das verstehe ich nicht.“ gab er zu.

Das Fürsten-Abbild wanderte einige Male unschlüssig auf und ab, bevor es scheinbar das Thema wechselte: „Bist du Iannyss jemals begegnet?“ fragte er.
„Der Kriegerin, die dir seit einiger Zeit zur Seite steht?“
„Eben dieser.“
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Regine
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Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 18 Jul 2007 19:25    Titel: Der letzte Feind - Seite 17
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„Ich habe von ihr gehört. Viele, nun, ungewöhnliche Dinge.“
„Sie ist eine ungewöhnliche Frau.“
„Es scheint so, ja.“
„Du kannst nicht wissen, wie wir uns kennen gelernt haben, deshalb möchte ich dir davon berichten.“ Grausam machte eine Pause und setzte sich.

„Vor ungefähr drei Monaten ersuchte mich eine Dienerin meines Volkes um eine Audienz. Es stellte sich heraus, dass sie zu den Aufständischen gehörte. Sie lehnte es von Anfang an ab, ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Es war ihr bestimmt, Priesterin zu werden. An Stelle dessen schloss sie sich den Aufständischen an lernte zu kämpfen. Es ist Frauen in den Reichen der Fürsten verboten zu kämpfen wie Du weisst.
Als sie mir ihre Identiät preisgab befahl ich meinen Wachen, sie umgehend in Gewahrsam zu nehmen. Sie benötigte keine ganze Minute um zehn meiner besten Männer auszuschalten. Sie sagte, sie würde nicht gehen, bevor ich sie nicht angehört hatte. Also hörte ich sie an. Ich war zugegebnermassen sehr beeindruckt. Sie berichtete, dass sie seit nunmehr zwölf Jahren durch die Galaxis reiste, um einen würdigen Herren zu finden. Die Zustände auf den Planeten, die sie gesehen hatte, gefielen ihr nicht. Die Kriege zerrütteten die Familien. Das Vertrauen in die Zukunft schwand. Die Bevölkerung der äusseren Kreise war von der Angst befallen, dass die Kriege auch ihren Planeten erreichten und Tod und Zerstörung brachten.“

„Das überrascht mich nicht. Es ist durchaus üblich, dass die Bevölkerung unter den Auswirkungen eines Krieges leidet. Insbesondere, wenn es sich um einen Krieg galaktischen Ausmasses handelt, der bereits seit einigen Jahrhunderten wütet.“
„Eben dies waren ihre Worte. Für sie war diese Erkenntnis Anlass genug um zu entscheiden, dass diesem Krieg ein Ende gesetzt werden musste.“
„Und sie wollte dies erreichen, indem sie dich tötet?“
„Erstaunlicherweise war das Gegenteil der Fall. Sie glaubte zu erkennen, dass dies nur dazu führen würde, dass ein anderer meinen Platz einnimmt.“
„Zutreffend.“
„Ihr Plan sah vor, dem stärksten Herrscher ihre Hilfe anzubieten, damit der Krieg früher endet.“
Kondor Nr.2 schwieg einen Moment nachdenklich und nickte dann. „Diese Frau war von ihren Fähigkeiten sehr überzeugt?“
„Zu Recht.“
„Aber war Iannyss zu diesem Zeitpunkt nicht ohnehin dein Eigentum? Nach geltendem Recht der Fürstentümer versteht sich.“
„Nicht aus ihrer Perspektive. Die Tatsache, dass sie auf einem Planeten in meinem Herrschaftsbereich geboren wurde, war für sie nicht mehr als ein Zufall. Ihre Wahl fiel ganz bewusst auf mich. Sie war fest davon überzeugt, dass ich die besten Chancen hätte, die Galaxis zu vereinen.“
„Zu erobern?“
„Für sie ein und dasselbe. Jede andere Art der Vereinigung bezeichnete sie als 'Traum aller rückratlosen Schwächlinge'. Du weisst selbst, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.“
„In der Tat.“
„Ich war von ihr fasziniert.“
„Was geschah dann?“
„Ich lehnte ab.“
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Regine
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Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 19 Jul 2007 17:57    Titel: Der letzte Feind - Seite 18
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„Warum?“
„Sie war eine Frau.“
Pause.
„Also das ist...“
„Ich weiss. Aber es ist nunmal, wie es ist. Meinem Volk ist es nicht gestattet, Frauen in den Kampf zu schicken. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann es anders gewesen wäre. Ich dachte immer, unsere Ahnen hätten dieses Gesetz zum Schutz der Frauen erlassen. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher. Es könnte ebensogut sein, dass dieses Gesetzt zum Schutz vor den Frauen erlassen wurde.
Kondor räusperte sich. „In Anbetracht der Tatsache, dass meine Frau Mitglied unserer Regierung ist, möchte ich mich nicht zu dieser These äussern. Allerdings wäre Iannyss sicherlich ein gutes Argument dafür. Ich nehme an, sie hat dich darum gebeten, es dir anders zu überlegen?“
„Ihre genauen Worte waren: 'Ist mir volkommen egal, Herr! Ich bin hier um dir zu dienen. Finde dich damit ab, Herr!“
Pause.

Grausam beendete die peinliche Stille, indem er fortfuhr: „Natürlich musste ich sie bestrafen. Das schien ihr klar zu sein. Sie sagte nur 'Wie Du befiehlst, Herr' und ging friedlich mit den Wachen mit. Den noch übrigen Wachen, genauer gesagt. Ich habe sie sieben Tage lag in den Folterkellern meines Palastes beherrbergt, aber sie hat es konsequent abgelehnt um Gnade zu bitten oder aufzugeben.
Ich liess ihr drei Wochen Zeit sich zu erhohlen und befahl sie dann zu mir. Anschliessend haben wir uns lange unterhalten. Sie hat mich auf die, ihrer Ansicht nach, mangelhaften Fachkentnisse meiner Folterknechte hingewiesen. So etwas muss man sich mal vorstellen!

Aus purer Neugier habe ich ihr befohlen, einen der Aufständischen zu verhören, der bei mir 'zu Gast' war. Ich gebe zu, sie arbeitete sehr effektiv. Aber ich möchte ein solches Verhör nie wieder miterleben! Nach nur einer Stunde gestand der Mann sämtliche Attentate der letzten tausend Jahre. Dabei hatte Iannyss 'sich gerade erst aufgewärmt' wie sie es nannte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Mann noch nichtmal einen Kratzer abbekommen. Als Iannyss dann versonnen all die Messer und Instrumente betrachtete freute er sich regelrecht darüber, auch alle seine Kameraden verraten zu dürfen.Und, was vielleicht noch aussagekräftiger sein mag, ich ebenfalls. Du kannst mir glauben wenn ich Dir dage, dass es das fürchterlichste Ereignis in meinem ganzen Bisherigen Leben war. Einfach schrecklich. Und es hat sie nicht im Mindesten belastet.

Wenn die Menschen damals dabei gewesen wären, dann würden sie mich nicht mehr länger Grausam nennen. Was mir, nebenbei gesagt, ganz recht wäre. Ich habe einen stolzen Namen mit grosser Vergangenheit. Ich gebe ja zu, dass mein Volk mich zu recht fürchtet. Es ist nicht ganz einfach, ein Reich dieser Grösse zu regieren und zu verteidigen. Man muss gut darauf achten, dass niemand aus der Reihe tanzt. Andernfalls regiert das Chaos und alles fällt auseinander. Jahrhunderte alte Traditionen fördern nicht unbedingt das Talent, sich an eine neue Situation anzupassen. Genau genommen ist mein Volk viel mehr darauf bedacht, dass alles so bleibt, wie es ist, als ich es bin. Aber hin und wieder muss man sie daran erinnern, dass die Einhaltung der Gesetze ihre Garantie für eine sichere Existenz ist.
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Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 20 Jul 2007 16:47    Titel: Der letzte Feind - Seite 19
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Mit Iannyss als Dienerin an meiner Seite ist gleich eine ganz neue Disziplin in meinen Palast eingekehrt. Ich habe sie bei mir behalten, damit sie nie wieder so gute Arbeit leisten konnte. Einer meiner Leute hat sich bei ihrer Vorführung übergeben, zwei meiner Männer haben geheult. Es sind gute Männer. Das haben sie nicht verdient. Die einzige Möglichkeit, meine Leute vor ihr zu schützen und trotzdem von ihr zu profitieren, bestand darin, sie immer in meiner Nähe zu belassen. Sie gehorchte aufs Wort und liess die Leute sofort wieder los, wenn ich sie darum bat. Dann fand ich heraus, dass es vollkommen genügte, ihr einfach zu befehlen, dass sie Niemanden mehr misshandeln oder gar töten durfte.“

Kondor lies erleichtert den Atem entweichen, die er bei Grausams Erzählung angehalten hatte.

„Im Laufe der Zeit sind mir zwei Dinge klar geworden. Erstens, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen kann. Und zweitens, dass ich Angst davor habe, dass ich so sein könnte wie sie.“

„Schwierig.“ gab der projezierte Kondor zu.
„Schwierig. Genau. Deshalb bin ich ja hier.“
„Deshalb? Wie meinst Du das?“
„Als ich begonnen habe, die Galaxis mit ihren Augen zu sehen, da ist mir klar geworden, dass mit ihr etwas nicht stimmt.“
„Mit der Galaxis?“
„Ja. Mit der Galaxis. Ich habe Dir gesagt, dass das Gesetzt, welches den Frauen verbietet in den Kampf zu ziehen, sehr sehr alt ist. Das trifft auch auf die meissten anderen zu. Die Welten sind alt.“
„Ist es nicht das, was Du gewollt hast? Stabilität?“
„Ich habe es nicht bewusst gewollt, aber immer angestrebt. Ich habe das getan, was mein Vater vor mir getan hat. Meine Arbeit. Jeden Tag. Ich habe nie etwas anderes kennen gelernt.“
„Und das ist gut, oder nicht?“
„Das ist der Haken. Ist es denn gut?“

Kondor schwieg. Er sah Grausam lange an und seufzte tief. „Nein. Es ist nicht gut. Du hast recht. Meinem Volk geht es nicht anders. Bei uns ist auch nicht viel los. Die grösste Freude haben wir hier unten auf der Erde. Deshalb passen wir ja auch so gut auf sie auf.“
„Ich habe ebenfalls einige interessante Dinge auf der Erde gesehen. Dort ist alles völlig anders. Chaotisch. Niemand weiss genau, wer das Sagen hat. Sie streiten sich andauernd. Und ständig haben sie neue Einfälle und Ideen. Abgesehen davon ist schon die Welt an sich unglaublich. Du findest bestimmt keinen Millimeter, auf dem nicht irgendwas lebt. Ich würde darauf wetten, dass selbst die Vulkane bewohnt sind. Ich will mir gar nicht ausmahlen, wie das Leben in der Galaxis in Zukunft aussieht.“

„Was möchtest du damit ausdrücken?“fragte die aufgezeichnete Konder-Version misstrauisch.

„Wenn ich das nächste Mal angreife, dann wird Iannyss dabei sein. Und dann ist die Erde Staub.“
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Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 22 Jul 2007 20:52    Titel: Der letzte Feind - Seite 20
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Kondor betrachtete Grausam zum ersten Mal während dieser Begegnung mit purer Entschlossenheit.
„Das würden wir nicht zulassen!“ erklärte er.

„Warum nicht? Ich habe schon andere Welten angegriffen, ohne dass ihr euch eingemischt habt!“
„Du wirst die Erde nicht angreifen. Wenn die Erde stirbt, dann hat die Galaxis keine Zukunft mehr. Hier steht auch deine Wiege, mein Freund.“
Grausam nickte.

„Dann solltest Du mir helfen, herauszufinden wie wir das verhindern können! Seit Iannyss die Erde besucht und dort viel Zeit verbacht hat, ist sie davon überzeugt, dass von der Erde die grösste Gefahr ausgeht. Sie sind kreativ, die Menschen. Und sie lernen schnell. Und, was das Schlimmste ist, sie haben dabei jede Menge Spass.
Wenn mein Volk sie erstmal zur Kenntnis genommen hat, und das wird es mit Sicherheit tun, weil sich die Menschen immerzu überall einmischen, dann wird die Einigkeit zerfallen und dem Chaos weichen. Unendlich viele Glaubenssysteme werden sich in der Galaxis verbreiten. Unzählige politische Richtungen werden entstehen. Und dann fragen sich die Leute 'Demokratie oder Diktatur?'. Nicht zu vergessen die vielen verschiedenen Sprachen der Erde. Eine reine Katastrophe. Und immerzu ändern sie etwas daran. Es grenzt an ein Wunder, dass sie sich gegenseitig überhaupt verstanden haben bevor sie diesen Chip hatten.
Sieh nur uns beide an! Selbst uns haben sie verändert. Ich kannte früher nicht ein einziges Schimpfwort. Das Protokoll schreibt ganz genau vor, wie ich mich auszudrücken habe. 'Verdammt nochmal!' wird darin nirgendwo erwähnt, trotzdem benutze ich es plötzlich.
Verführung. Das ist die grosse Gefahr, die von der Erde ausgeht.

Iannyss hat mir einen Weg gezeigt, eure Verteidigung auszuschalten, verehrter Wächter. Die der Erde erst recht. Und glaub mir, es wird funktionieren. Die Menschen auf der Basis selbst haben die nötigen Informationen geliefert. Aus dummem, naiven, kindlichen Vertrauen heraus. So ist die Menschheit.
Jetzt sag mir, wie können wir den Frieden in der Galaxis erreichen ohne die Erde zu pulverisieren und ohne dass ich vor der Frau die ich liebe als inkompetenter Trottel dastehe?“

„Das ist dein Problem?“
„Ich weiss. Ich bin ein rücksichtsloser, egoistischer Parasit1. Los, sag es ruhig. Das entspannt ungemein, Du wirst sehen.“
„Du bist ein rücksichtsloser, egoistischer Parasit!“ Kondor atmete tief durch. „Du hast recht. Das hat geholfen.“
„Eigentlich wollte ich damit nur sagen, dass ich nicht vor habe, die Erde zu zerstören. Um ehrlich zu sein, ich mag sie. Das ist das, was Iannyss 'eine Schwäche' nennt. Schwächen duldet sie nicht.“
„Bist Du ganz sicher, was die Erde betrifft?“
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BeitragVerfasst am: 23 Jul 2007 08:00    Titel: Der letzte Feind - Seite 21
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„Und ob! Du solltest mal die Maiskolben probieren!“
Kondor blinzelte irritiert.
„Versteh doch! Da unten gibt es Leute, die ihr Leben geniessen. Bestimmt nicht alle, und ganz sicher auch nicht immerzu, aber sicher mehr als du und ich.
Zum Teufel mit den Reichen der Galaxis! Dort ist es so...öde. Ich möchte Eiskrem essen und ein Segelschiff mit meinen eigenen Händen bauen. Versuch das mal, da, wo ich wohne! Und das Schlimmste ist, dass ich es auch meinem Volk erlauben möchte, sich endlich mal zu entspannen.“
„Du solltest einfach mal Urlaub machen.“
„Ur...?“
„Nicht so wichtig. Ich komme bei Gelegenheit darauf zurück. Bisher hast du mir die eine Seite gezeigt. Was ist mit der anderen?“
„Es gibt eine andere?“
„Ja. Die Erde bringt Veränderung. Du hast es selbst gesagt. Wenn das etwas ist, wovor selbst du dich fürchtest, dann muss es eine mächtige Fähigkeit sein. Aber nicht unbedingt eine zerstörerische.“
„Wie meinst du das?“
„Du und Iannyss, ihr habt die Erde gemeinsam mit den Menschen studiert. Ihr habt nach einem Weg, Frieden in die Galaxis zu bringen, quasi nach einer geeigneten Regierungsform, gesucht.
„Ja.“
„Aber ihr konntet keine finden.“
„Keine, die auf Dauer Erfolg haben würde.“
„Natürlich nicht. Weil ihr nur nach einer gesucht habt, die auf ewig bestehen soll. Aber so funktioniert das nicht. Nichts hält ewig. Eine lange Zeit vielleicht, aber nicht ewig. Für einen Zustand, der über einen langen Zeitraum möglichst stabil und dennoch dynamisch genug ist, um keine Stagnation zuzulassen, benötigt man wenigstens zwei Pole.“

Grausam starrte an die Wand. Er schien die Galaxis direkt vor sich zu sehen. „Zwei Pole“, murmelte er gedankenverloren. „zwei gegensätzliche Prinzipien? Ist es das?“
Kondor nickte.
„Die Fürsten sind der eine Pol...und die Menschen der andere?“
„Die Verbündeten sind der andere. Wir müssen schliesslich auch irgendwo bleiben, nicht wahr? Wir können die Menschen ohnehin nicht einfach das tun lassen, wozu sie Lust haben. Irgendjemand muss auf sie aufpassen. Ich gebe zu, es ist nicht ganz leicht. Mit ihrer Zeitreisetechnologie zum Beispiel haben sie uns kalt erwischt. Sie müssen eben erst noch lernen, was sich gehört.“
„Aber diesen Zustand haben wir längst. Das ist kein Frieden.“
„Das ist nicht die Schuld der Erde. Die Menschen verfügen nur über wenige kleine Schiffe mit denen sie grössere Entfernungen zurücklegen können. Für ihre Transporter benötigen sie eine Empfangsstation. Die würdest du sicher schnell bemerken, wenn sie eine bei dir aufstellen. Technisch seid ihr den Menschen schliesslich um Jahrtausende voraus. Im Grunde sind sie für euch Fürsten nicht gefährlich, sondern einfach nur lästig. Die Erde ist für dich doch eher eine Art Trophähe denn ein ernstzunehmender Gegner.
Und wie du weisst haben sich die Verbündeten darauf geeinigt, ihre Gebiete zu verteidigen, ohne es darauf anzulegen fürstliches Territorium zu erobern.
Nein, weder wir noch die Menschen sind schuld an dem Krieg. Den haben wir, weil ihr Fürsten immer wieder alles angreifen, was sich bewegt.“
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BeitragVerfasst am: 24 Jul 2007 08:10    Titel: Der letzte Feind - Seite 22
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„Also das...könnte vielleicht sein. Wir sind richtige Mistkerle. Das behauptet zumindest der Mensch namens Wells ständig. Vielleicht herrscht ja wirklich so etwas wie Frieden wenn die Fürsten aus dem Geschäft sind. Wer weiss? Ich wäre ohne Iannyss bestimmt nie auf die Idee gekommen mich zur Ruhe setzen zu wollen. So etwas liegt einem Fürsten einfach nicht. Fragt sich nur, ob die anderen auch bereit sind das Terretorium der Erde einfach zu vergessen. Sie müssten sich natürlich erstmal durch meine Gebiete hindurcharbeiten, aber der eine oder andere wird es bestimmt irgendwann versuchen. Selbst wenn ich die Erde ignorieren würde wäre sie immernoch in Gefahr.“
„Glaubst du, du könntest die anderen Fürsten besiegen?“
„Ich alleine? Niemals. Mein Herrschaftsbereich ist der grösste von allen. Aber es fehlt immer wieder an Söldnern und...“

An dieser Stelle brach die Aufzeichnung ab. Die beiden Doppelgänger verschwanden in das Nichts, aus dem sie kamen. Fassungsloses Staunen beherrschte den Saal. Grausam brach das Schweigen.

„Dies geschah vor einem Jahr. In der Zwischenzeit habe ich mit Hilfe der Jungas eine Organisation ins Leben gerufen, die sich 'Der Widerstand' nennt. Seine Mitglieder glauben, dass sie gegen mich und für den galaxisweiten Frieden arbeiten würden, womit sie ja auch Recht haben, und natürlich haben sie nicht die leiseste Idee dass ich selbst dahinter stecke.

Durch die speziellen Waffen, die der Widerstand Dank eines 'geheimnisvollen Sponsors' herstellen lässt, und die er uns in schöner Regelmässigkeit 'unterjubelt', stehen mir alle Kriegsgefangenen aus den Gefechten mit den übrigen Fürsten als potentielle Soldaten zur Verfügung. Zusätzlich habe ich den Befehl gegeben so viele Gegner wie nur möglich lebend zu fangen und nicht samt ihrer Schiffe zu vernichten. Wer nicht für mich kämpfen will, der wird auf einen der Gefängnisplaneten geschickt.“

„Oh toll.“ warf Wells ein. So ganz ohne Kommentar kam er einfach nicht aus.
Grausam sah ihn direkt an. „Auch die Menschen von der Erde sind noch am Leben und auf einem abgelegenen Planeten untergebracht, falls ihr jemanden vermissen solltet.“
„Im Ernst?“
„Im Ernst. Soweit mir bekannt ist, befinden sich derzeit drei Transporterteams und die Besatzung von zwei kleineren Schiffen in Gewahrsam, weil sie in der Nähe von Hel, dem Regierungsplaneten meines Reiches, herumstromerten. Ich konnte sie schliesslich nicht einfach wieder nach Hause schicken, nicht wahr? Wenn ihr Verbindung mit dem Widerstand aufnehmt, dann könnten die euch sicher helfen, sie zurück zu bekommen. “

Grausam schwieg für einen Augenblick nachdenklich. Dann erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht. „Die Männer glauben,dass ich sie nur aus Gemeinheit auf den Planeten gebracht habe, weil die Lebensbedingungen dort beinahe unerträglich sind. Ich habe sie nämlich mitten in einer Wüste absetzen lassen. Und man hat sie darauf hingewiesen, dass sie dort 'für ihre Taten büssen' würden.
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BeitragVerfasst am: 26 Jul 2007 10:46    Titel: Der letzte Feind - Seite 23
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Der Widerstand sollte sie eigentlich dort gefunden haben, denn immerhin befand sich ihr Unterschlupf nur ein paar hundert Meter entfernt und sie verfügen, dank der Jungas, die sie, selbstverständlich ohne mein Wissen, nach Kräften unterstützen, über eine ziemlich ausgefuchste Sensortechnologie. Die Männer haben dort eine riesige Höhle vorgefunden, in der paradiesische Zustände herrschen, es dürfte ihnen also recht gut ergehen. Allerdings wird der Widerstand sie nicht ohne Weiteres ziehen lassen. Sie könnten den Standort verraten. Es liegt also an euch, euch den Mund fusselig zu reden um sie wieder zurück zu bekommen. Kondor wird euch sicher gerne helfen Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

„Entschuldige,“ warf Wells ein, „aber ich kapiers nicht. Was soll das alles?“
„Sie es mal so: Kondor und ich, wie spielen seit etwa einem Jahr eine Partie Schach mit dem einzigen Ziel, das Spiel am Laufen zu halten. Und die Galaxis ist das Spielfeld.
Meine Aufgabe ist es, die übrigen Fürsten ins Exil zu schicken, damit in den alten Reichen endlich einmal Ruhe herrscht. Und natürlich obliegt es mir, die vereinbarte Grenze zu sichern. Kondor und sein Volk bemühen sich darum, die verschiedenen Völker der Verbündeten unter einen Hut zu bekommen und dafür zu sorgen, dass ihr Menschen nicht zu viel Schaden anrichtet.
Und ich,“ dabei sah er in die Runde, „ich bin euer letzer Feind. Abgesehen von euch selbst“

Nun ergriff der General das Wort. „Das ist eine sehr gewagte Idee. Aber sie gefällt mir. Abgesehen von dieser Geschichte mit uns. Über diese Bevormundungspolitik müssen wir uns dringen nochmal unterhalten. Aber immerhin, es scheint es seit einem Jahr gut zu funktionieren. Keine Probleme mehr mit dem Personalmangel, werter Fürst?“

„Nein. Erfreulicherweise nicht. Die Hälfte meiner Soldaten stammt aus den übrigen Reichen. Aber ich habe in letzter Zeit auch viel Zuspruch aus meinen eigenen Reihen erhalten. Seit ich es erlaubt habe, dass auch Frauen in den Krieg ziehen dürfen, erhoffen sich erstaunlich viele junge Männer, hauptsächlich Junggesellen, einen Posten beim Millitär. Ich fürchte sogar, es werden bald zu viele sein.“

Der General ergriff erneut das Wort.
„Und was erwartet ihr jetzt von uns?“

Kondor antwortete bereitwillig. „Wir wussten zu Anfang nicht, ob unser Plan gelingen würde. Wenn es schief gegangen wäre, dann hätte wahrscheinlich niemand etwas bemerkt. Deshalb haben wir euch nichts davon erzählt.“
Die Vertreter der übrigen Verbündeten hatten zu Wells Verblüffung verständig genickt. Wells konnte einfach nicht begreifen, warum sie einen einzigen, sehr starken Gegner für ein geringeres Übel hielten, als viele Gegner, die mit sich selbst beschäftigt waren. Doch der General warf ihm ständig warnende Blicke zu, also sagte er nichts.

„Aber jetzt sind wir ziemlich zuversichtlich. Nun ist es Zeit, alle Verbündeten an der Erkenntnis teilhaben zu lassen, dass wir uns, abgesehen von den noch übrigen Fürsten, bereits in einem Zustand befinden, der dem des Friedens so nahe kommt wie nur möglich. Es wäre schön, wenn ihr, sagen wir mal, mitspielen würdet.
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BeitragVerfasst am: 30 Jul 2007 14:27    Titel: Der letzte Feind - Seite 24+25 - Das Finale
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Wenn auf jeder Seite einige Wenige Personen an den richtigen Stellen sitzen und mit den anderen zusammen arbeiten, dann haben wir eine echte Chance unseren Völkern eine hoffentlich lange währende Verschnaufpause zu gönnen.“

„Warum können wir dann nicht einfach sagen, dass wir uns alle einige sind und anschliessend friedlich nach Hause gehen?“ warf Wells ein.
„Weil es immer genügend Individuen geben wird, die den Kampf dem Frieden vorziehen. Und die sind es gewöhnlich, die am meisten Ärger machen. Nun, sie sollen ihn haben. Aber die Bedingungen stellen wir.“
„Ihr wollt uns also einreden,...ich meine, ihr wollt damit sagen, ihr haltet den Krieg für eine Art Spiel?“ fiel Wells ein.
„So könnte man sagen, ja.“
„Ach du Schande!“
„Vielleicht kommt eines Tages die Zeit, in der Niemand mehr einen Sinn darin sieht um irgendetwas zu kämpfen. Aber noch ist das nicht der Fall. Nimm doch einfach Dich selbst als bestes Beispiel. Wenn wir keinen Krieg mehr hätten wärest Du und alle Deine Freunde von einem Tag auf den anderen arbeitslos.“
Wells murrte nachdenklich. Die Aussicht, irgendeinen langweiligen Posten auf der Erde zugeteilt zu bekommen gefiel ihm überhaupt nicht.

„Bis es soweit ist“, fuhr Grausam fort, „ werden wir dafür sorgen, dass keine Seite zu stark oder zu schwach ist. Natürlich werden wir auch weiterhin die ganze Angelegenheit so geheim wie möglich halten. Nur ihr als Vertreter der Verbündeten, die Jungas und ich wissen davon. Das darf sich nicht ändern, denn sonst funktioniert es nicht.
Und natürlich machen wir nur weiter, sofern alle damit einverstanden sind.“

„Nun komm schon!“ Diese Worte und eine leichte Ohrfeige holte Wells in die Realität zurück. „Wach endlich wieder auf!“
„Ihr wart das.“ stammelte Wells. Er war noch ganz durcheinander.
„Was?“
„Der Trigger. Ihr habt mir diesen Trigger verpasst, damit ich mich nicht mehr an das Treffen erinnern konnte.“
„Es musste sein. Du wolltest unbedingt auch weiterhin mitspielen. Und dafür musstest Du davon überzeugt sein, dass wir Feinde sind. Erinnere Dich bitte daran, dass Du einverstanden warst. Nur der General durfte sich erinnern. Wir arbeiten so eng zusammen wie es geht, ohne jemanden misstrauisch zu machen.“
„Oder es ist irgendein gemeiner Trick von dir und ich soll nur glauben, dass wir auf derselben Seite stehen.“
„Ach,“ seufzte Grausam, „das sagst Du jedes Mal.“
„Jedes Mal? Wieviele Male waren es denn schon?“
„Wir haben uns bisher drei mal getroffen, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen, die gründlich schief gelaufen sind. So etwas kommt vor. Und einmal haben wir eine ganze Woche lang zusammen mit Kondor auf der Erde Urlaub gemacht. Du hast uns gezeigt, wie man Fussball spielt und wir haben bergeweise Eis verdrückt und jede Menge Bier getrunken. Natürlich musstest Du auch das vergessen.“

Wells wusste, dass es stimmte. So sicher, wie er wusste, dass er atmen musste, um nicht zu ersticken.
Noch schlimmer war, dass er auch wusste, wie ernst es Grausam mit dem Frieden war. Weitere Erinnerungen an vergangene Expeditionen krochen aus seinem Unterbewusstsein und blinzelten müde im Licht der Erkenntnis. Sie waren Freunde, da gab es keine Zweifel mehr. Grausam hatte seine Loyalität inzwischen viel zu oft unter Beweis gestellt. Wells gab auf.
„Na schön. Jetzt bin ich hier. Was liegt an? Sollen wir eine Flotte angreifen? Oder irgendwo ein Feuer löschen? Was ist es?“

„Diesesmal nicht. Diesesmal geht es um Iannyss.“
„Lieber Himmel! Was hat sie denn jetzt wieder angestellt?“
„Sie wurde gefangen genommen. Bei ihrem letzten Job. Sie sollte ein Versteck des Widerstandes ausfindig machen, das die Jungas extra zu diesem Zweck gebaut haben.“
„Dann hat sie der Widerstand gefangen genommen?“
„Nein. Wenn dem so wäre gäbe es kaum Probleme sie wiederzubekommen. Der Widerstand hätte sofort gewusst mit wem er es zu tun hat und tunlichst die Finger von ihr gelassen. Nein, es waren Leute von der Erde. Dort ist sie jetzt.“

Robert hatte die Zeit ihres kleinen Plausches genutzt um sein Medizin-Kit, das natürlich zur Standrdausrüstung eines jeden Mitglieds der Millitary Company gehört, auszupacken und sein blaues Auge mit der 'Schnell-Präzise-Einfach-Erfolgreich-DERMOPLAST'-Creme, kurz 'Speedy' genannt, zu versorgen. Doch Grausams letzte Worte liessen ihn mitten in der Bewegung innehalten.

„Was? Unmöglich!“ Stellte er fest und rieb die 'Speedy' energisch tiefer in das Gewebe. Mit etwas Glück würde von der Blessur in ein paar Sekunden nichts mehr übrig sein. Das Ziehen und Brennen des extrem beschleunigten Heilungsprozesses nahm er dafür gerne in Kauf.
„Ich weiss nicht, wie sie das geschafft haben.“ gab der Fürst zu und schüttelte missbilligend den Kopf. „Immer dasselbe mit euch! Aber Tatsache ist, dass wir sie da raus holen müssen. Und zwar so schnell wie möglich.“
„Glaubst du, sie werden...?“
„Keine Sorge. Ich habe ihr zum Glück den Befehl gegeben, niemanden zu töten. Sie wird also nicht allzuviel Schaden anrichten. Aber ich hätte sie gerne trotzdem so schnell wie möglich wieder. Wenn sie erstmal anfangen, Experimente mit ihr zu machen, dann wird sie bestimmt ungehalten.“

„Tja. Also gut. Dann los. Wie kommen wir zurück? Mein Schiff werden wir wohl nicht benutzen, sonst hättest Du mich nicht extra hier her bestellen müssen.“
„Wir nehmen eine der Junga-Raumrouten. Das ist am unauffälligsten, weil die Routentransporte nicht registriert werden können.“
„Aha. Und wie funktioniert das?“
„Wir begeben uns in dieses Röhre hier. Wenn ich das Gerät aktiviere, dann macht es „Wuuuusch..und wir sind da. Pack deine Sachen und komm hier her.“ Wells packte das Medizin-Kit zusammen, schnappte sich die Taschen und zottelte die recht schwere Kiste in Grausams Richtung.

Wells letzte Worte in diesem Raumabschnitt waren: 'Kann losgehen. Ist das hier der Startknopf?'

Wuuuusch...


ENDE Tei 1
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