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Marlons Bistro


 
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Regine
Goldblitzbold


Anmeldungsdatum: 15.04.2007
Beiträge: 473
Wohnort: Bääärlin

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2007 09:34    Titel: Marlons Bistro
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Marlons Bistro
an der Grenze

Herzlich willkommen

'Also dieser Spinner braucht doch professionelle Hilfe. Also ehrlich, um den sollte sich mal jemand kümmern. Aber es muss ja auch solche geben, nicht wahr? Woher solten wir sonst wissen, dass wir ganz normal sind, was?' sagte eine Frau, die meiner Meinung nach vollkommen verrückt ist.
Natürlich hat sie Recht. Stumm nickend stimme ich ihr zu und begebe mich wieder hinter meine Theke um dort ein wenig umzuräumen.

Heute ist nicht sehr viel los. 'Zum Glück', denke ich, ein wenig zu lustlos für meinen Job. Natürlich brauche ich den Umsatz. Gerade jetzt wäre es gar nicht schlecht, wenn hin und wieder mal ein Gast vorbeikäme den ich noch nicht mit Vornamen begrüssen kann. Aber wo soll der herkommen? In dieser Gegend? Genau an der Grenze? Hier leben doch nur die hoffnungsvollen Auswanderer au dem grossen Reich, die glauben, Fürst Grausams Herrschaft endlich ent-kommen zu sein, und die glücklosen Pioniere der Erde, deren Ideale und Träume schon nach recht kurzer Zeit zu Sternenstaub zerfallen. Kurz: Dies hier ist sozusagen der Sumpf des Universums.

Nicht, dass ich das von Anfang an gewusst hätte.
'Einen zukunftsträchtigen Verkehrs-knoten mieten Sie da, meinen allerherzlichsten Glückwunsch!' hat der Vermieter mir vor ein paar Monaten per Handschlag versichert. Heute sehe ich von ihm nur noch die Kontonummer.

Aber keine Sorge, ich schlage mich schon durch. Direkt über mir hängt ein lasergestochenes Schild mit meinem Lebensmotto darauf: 'Sei deines eigenen Glückes Schmied'. Darunter hat Karl, ein inzwischen Auftragsloser und aus lauter Langeweile depressiv gewordener Pionier, in ungelenken Buchstaben gekritzelt:
'Dann hast Du wenigstens was zu tun.'

Das heisst, ich glaube, dass er es war. Genau weiss ich es nicht, denn Ich habe fast nur depressive Gäste. Deshalb kommen sie ja her. Nicht, um sich aufheitern zu lassen wie ich anfangs gehofft hatte, sondern um mir Tag für Tag zu bestätgen, dass sie schliesslich allen Grund haben depressiv zu sein. Immer wieder aufs Neue beklagen sie den tragischen Zustand unseres Regierungssystems, und bei der Gelegenheit auch das von zwei oder drei anderen näher gelegenen Planetenverbänden, und proklamieren, dass alles sehr viel besser wäre wenn nur endlich mal jemand etwas gegen die üblen Zustände unternäme.
Manchmal frage ich mich, ob vielleicht wirklich alles besser wäre wenn man die betreffenden Regierungen mal hier tagen, und meine Stammgäste als Berater fungieren lassen würde. Schaudernd versuche ich, dieses Szenario wieder aus dem Kopf zu bekommen.

Da kommt gerade einer meiner liebsten Gäste. John heisst er. Was den genau her treibt weiss ich nicht. Der Mann ist im besten Alter, sieht trotz völliger Kahlköpfigkeit recht gut aus, ist sehr ruhig und benimmt sich immer tadellos. Er beschwert sich nur über das Essen wenn es einen Grund dazu gibt, aber niemals aus Prinzip. Er bestellt einfach ein Bier, setzt sich in eine Ecke und hört all den anderen Gästen still lächelnd zu. Das Beste an ihm ist, dass er nichts, aber auch wirklich gar nichts, mit Politik am Hut hat.
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Regine
Goldblitzbold


Anmeldungsdatum: 15.04.2007
Beiträge: 473
Wohnort: Bääärlin

BeitragVerfasst am: 07 Dez 2007 05:20    Titel: Marlons Bistro
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Marlons Bistro
an der Grendze

'Unglaublich nicht? Aber dass Du es mir ja nicht weiter erzählst, ok?' beschwört mich Ronni. 'Ok' sag ich. Ich habe ohnehin nicht richtig zugehört. Etwas über Revolutionäre. Oder waren es revolutionäre Ideen? Na, jedenfalls sollte sich angeblich im grossen Reich von Fürst Grausam etwas Bedeutsames ereignen. Irgendwann zwischen morgen und Donnerstag. Also meinetwegen. Da mein Laden auf der anderen Seite der Grenze liegt bedeutet das für mich nur, dass sich meine Gästeliste um haufenweise verängstiger ehemaliger Grenzbewohner erweitern würde.

Allerdings glaube ich nicht recht daran. Ich höre solches Zeug hier praktische jeden Tag, und noch nie ist tatsächlich etwas Aufsehenerregendes passiert. Ich schenke Ronni, dem verkappten Revolutzer, noch eine Tasse Kaffee nach und bemerke aus den Augenwinkeln, dass John, der einzige andere Gast heute Morgen, noch etwas bestellen möchte. Sehr erfreulich.

Ich lasse Ronni einfach weiter erzählen, schlendere davon und nehme bereitwillig Johns Bestellung auf. Er ist höflich, gibt gewöhnlich reichlich Trinkgeld und ist heute allerbester Laune. Ich streiche die in warmen Farben gehaltene Tischdecke glatt und entzünde die kleine Kerze in ihrem handgearbeiteten Halter, während ich mir Johns Bestellung einpräge. Sonderlich kompliziert ist sie nicht. Er möchte ein grosses Frühstück ohne Käse. Das ist schnell erledigt.
'Aber der!' eschoffiert sich Ronni in seiner abgeschiendenen Ecke an der Theke, 'Der wird sich noch wundern, wart's nur ab!'

John nippt ungerührt an seinem Tee. Extra für ihn habe ich vor ein paar Tagen eine echte englische Teekanne organisiert, nachdem er mich mehrfach strafend angesehen hat, weil ich den Dajeering in einem Glas serviert hatte.
Normalerweise lasse ich John einfach in Ruhe. Aber gerade jetzt habe ich das Bedürfnis mich mit jemandem zu unterhalten, dessen IQ über dem eines gewöhnlichen Toastbrotes liegt, zumal Ronni soeben damit beginnt mir sinnlose Ratschläge zur Gestaltung meiner Speisekarte zu erteilen.

'Na John, läuft alles?' frage ich ohne grosse Hoffnung auf ein ernsthaftes Gespräch. Doch an diesem Morgen überrascht er mich. 'Oh ja!' sagt er. 'Ausgezeichnet. Ich denke, ich werde noch heute Nachmittag in der Lage sein ein grosses Ärgernis aus dem Weg zu räumen, welches mich bereits seit Wochen beschäftigt.' erklärt er und beisst vergnügt in ein Schinkenbrötchen. 'Tatsächlich? Das freut mich aber!' antworte ich ehrlich. 'Schön zu hören, dass es mal für jemanden gut läuft. Und was machst du so? Beruflich, meine ich.' frage ich in einem Anfall von Symphatie und ehrlicher Anteilnahme.
John antwortet nicht sofort. Er wirft einen Blick zur Theke, der direkt durch Ronni hindurchzugehen scheint, und sagt dann: 'Ich bin Handlungsreisender.' 'Ah.' sage ich und verliere augenblicklich das Interesse. Das geht mir immer so wenn ich es mit Vertretern zu tun bekomme. Aber da kündigt sich auch schon der nächste Gast an. Eine ältere Dame namens Sissi. Durch die breite Fensterfront ist sie schon von Weitem zu erkennen. Soeben betritt sie die Vorhalle. Also habe ich noch Zeit, John einen weiteren Tee zu servieren, Ronni abzukassieren, zwei Orangencréppes und eine heisse Schokolade für sie vorzubereiten und den Stuhl von ihrem Lieblingstisch abzurücken. Sie ist nicht mehr sonderlich gut zu Fuss.
Noch bevor sie sich ganz und gar eingerichtet hat begleicht John die Rechnung und verabschiedet sich. Ich seufze innerlich. Es ist noch nichtmal Mittag und ich freue mich jetzt schon auf den Feierabend.
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Regine
Goldblitzbold


Anmeldungsdatum: 15.04.2007
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BeitragVerfasst am: 12 Dez 2007 10:13    Titel: Marlos Bistro
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Marlons Bistro
an der Grenze


Wosn de Ronni?' fragt Rita. Ich zucke mit den Schultern und bearbeite weiter das Bierglas mit dem Handtuch um die lästigen Wasserflecken loszuwerden, die sich immer dann bilden wenn man gerade nicht hinsieht . 'Keine Ahnung. Ist seit drei Tagen nicht mehr hier gewesen. 'Ah. Hm. Aso.' sagt Rita. 'Naja. wird schon widda auftauchn, de Ronni. Ne? Hähä.'

Ich nicke und versuche nicht allzu gequält auszusehen. Rita stellte mir diese Frage heute bestimmt schon zum zehnten Mal.
Ich war mir da nicht so sicher. Marylin, ein Stammgast und so etwas wie eine wandelnde Tageszeitung, hatte gestern ziemlich aufgeregt von einer Verhaftungswelle berichtet. Angeblich wurde der komplette Widerstand hochgenommen.

Wenn Mary das erzählte, dann bedeutete das wahrscheinlich, dass man irgendwo ein paar arme Irre eingesperrt hatte, die den einen oder anderen über den Durst getrunken hatten und lauthals verkündeten was sie denn mit dem sogenannten Fürsten anstellen wollten wenn sie ihn nur mal in die Finger bekämen. Das geschah gar nicht so selten. Normalerweise tauchten diese Leute irgendwann aber wieder auf und gingen nach dieser Episode einer geregelten Tätigkeit nach. Und zwar sehr energisch.

Mary übertrieb genauso gerne wie jedes andere Revolverblatt auch.
Ich hatte das Rita auch genau so erzählt, in der Hoffnung, dass sie selbst darauf käme, dass Ronni vielleicht einer dieser Irren gewesen sein könnte. Inzwischen habe ich es natürlich aufgegeben und suche mir stattdessen eine Beschäftigung, die mich aus dem Sendebereich meines leicht angesäuselten Gastes bringt. Wie häufig in solchen Fällen gehe ich für ein paar Minuten nach draussen um dort nach dem Rechten zu sehen. Es ist noch da. Wie schön. John kommt gerade um die Ecke. Er sieht müde aus. Da kann ich mich gleich von meiner besten Seite zeigen und ihm die Tür aufhalten. Wie immer ist er untadelig und sehr vorteilhaft in eine schwarz-weiss-Kombination gekleidet. Irgendwann muss ich ihn unbedingt mal fragen wo er seine Klamotten kauft. Aber nicht heute.

Stattdessen frage ich ihn, was er trinken möchte. Ich bringe ihm sein Bier und erkundige mich danach, ob er einen guten Tag hatte. 'Aber ja' sagt er. 'Nur viel Arbeit.' Ich erinnere mich, dass er mal gesagt hatte, er sei Handlungsreisender. Ich rufe zur mittlerweile krakeelenden Rita hinüber, sie solle um Gottes Willen nicht so einen Krach veranstalten und frage John, nicht zuletzt um ihn Ritas wegen milde zu stimmen, womit er denn eigentlich handele. Sonderbarerweise muss er erst einen kurzen Moment überlegen. Ich denke mir, der Mann sollte doch eigentlich wissen, womit er sein Geld verdient, sage aber nichts.

'Ich handele mit Problemen.' erklärt er schliesslich. 'Mit Problemen?' kann ich nur ungläubig fragen. Da muss ich mich wohl verhört haben, denke ich, aber er bestätigt es. 'Sie sind leicht zu bekommen. Die Herausforderung besteht darin, sie wieder los zu werden.'
Ich nicke und habe mal wieder keine Ahnung wovon er spricht. 'Probleme habe ich genug' sage ich und frage, ob er mir nicht welche abnehmen wolle.
Er sagt, genau das hätte er bereits getan und bestellt ein ordentliches Abendessen.
Ich mag ihn irgendwie, aber ich ahne langsam, dass eine Unterhaltung mit John mir nichts einbringt ausser Kopfschmerzen.
Nun, wie sollte es auch anders sein, hier, an der Grenze?
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Regine
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BeitragVerfasst am: 14 Dez 2007 11:59    Titel: Marlons Bistro
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Marlons Bistro
an der Grenze

'Also dann, einen schönen Feieraben' ruft mir der letzte Gast des Tages noch freundlich zu, als er in Richtung des Shuttlehafens verschwindet. Ich winke lächelnd zurück und schliesse die Tür ab. Beim Staubsaugen geht mir durch den Kopf, dass es heute gar kein so übler Tag war. Leider aber ein eher langweiliger. Pure Routine. Zuerst kam ein jungverliebtes, im Partnerlook strassenköterblond gefärbtes Pärchen, dass stundenlang auf einen Flug zur Erde wartete und insgesamt ein Mineralwasser getrunken hat. Sie vertrieben sich die Zeit damit, das Etikett auf der Flasche zu lesen. Irgendwo zwischen der spannenden Frage 'Wat solln das sein, son kJ? Und wat issn Brennwert? Na, egal. is ja Beides nich drin, ne?' und der Idee, das es lustig sein könnte sich gegenseitig so lange in sie Eingeweide zu pieksen bis einer von beiden 'Aua' oder 'Mano!' quäkte, verlor ich die Lust und ging nach draussen.
Dafür war es allerdings entschieden zu kalt, so dass ich noch eine ganze Weile die Theke putzen musste um überhaupt irgendwas zu tun.

Endlich trudelte mein 'Kaffeekränzchen' ein. Lauter reizende alte Mädchen vom ehemaligen Servicepersonal des Terminals, die sich hier bei mir erst richtig kennen gelernt haben und nun über den Tag verteilt der Reihe nach einfielen und mit mir herumshakerten. Ich wäre längst ein gemachter Mann, wenn man Heiratsanträge als Währung einführen würde.

Als nächstes liess sich John blicken und blieb bis kurz vor Feierabend. Wenn ich es mir recht überlege wirkte er heute einen Tick unruhiger als sonst. Das kam wohl daher, dass er sich heute, ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, hier mit einem Freund verabredet hat. Ich war ehrlich gesagt erstaunt, dass sich ausgerechnet er, der so viel Wert auf Stiel und guten Geschmack legt, sich mit einem Typen wie diesem Robert abgibt. Mitte 50, verwuschelte angegraute Haare, Jeans und ein altmodischer blaugrüner Pulli. Und die ganze Zeit war er am Herumnörgeln. 'Muss das denn sein?' und 'Warum denn ausgerechnet die Werft?' quengelte er dauernd. Aber John hat ihm ganz ruhig erklärt: 'Wenn ihr die Werft nicht beliefert, dann kann ich nicht dafür garantieren dass das Spiel auch weiterhin stattfindet.'

Ich kümmere mich ja nicht sonderlich um Sport und solche Sachen, zumal ich dafür auch gar keine Zeit habe, aber ich finde, dass sich dieser Robert ganz schön zickig benahm. Oder vielleicht mochte ich ihn einfach nicht besonders, weil seine ersten Worte hier im Bistro lauteten: 'Klasse John, dann erzähl doch mal, warum wir uns ausgerechnet hier am Arsch des Universums treffen müssen.'

Als Höhepunkt des Tages erscheint mir im Nachhinein eine Bemerkung von dem strassenköterblonden Mädchen. 'Du, ich hab' nachgedacht.' verkündete sie nämlich ganz plötzlich ihrem Begleiter. Es klang so ernst, dass man glauben musste, sie hätte die Lösung für all unsere Probleme gefunden und wäre in der Lage, das komplette Universum vor dem Untergang zu erretten. Ich schöpfte wieder Hoffnung als ich diese Vertreterin der heutigen Jugend mit ganz neuen Augen betrachtete. Dann sagte sie: 'Ich glaube, ich lasse meine Haare so, wie sie sind.'

Immerhin bin ich jetzt mit dem Staubsaugen durch. Nur noch die Theke putzen und dann ab nach hause.
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Anmeldungsdatum: 15.04.2007
Beiträge: 473
Wohnort: Bääärlin

BeitragVerfasst am: 23 Dez 2007 17:45    Titel:
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Marlons Bistro
an der Grenze

Heute ist ein wundervoller Tag. Ich komme klatschnass in meinem Laden an, weil heute Wässerungstag in diesem Sektor des Hafengebietes ist.
einer der Vorteile, wenn man in einer komplett künstlichen, vor allem aber überdachten , Umgebung direkt unter dem freien Sternenhimmel lebt ist, dass man immer im voraus weiss, wie das Wetter wird. Ich habe heute meinen Schirm trotzdem vergessen.
Fröhlich pfeifend schliesse ich das Lokal auf, rufe das aktuelle News-Webradio 'InterG. 1' auf und stürze mich beschwingt in die Arbeit. Trocken werde ich dabei ganz von alleine. Ein stinkbesoffener ehemaliger Hafenarbeiter schafft es irgendwie sich in einer Art taxierendem Krabbengang durch die Tür zu extrapolieren, ankert vor meinem Tresen, holt tief Luft und schickt sich offenbar an einen längeren Vortrag über das Thema 'Warum es mir zur Zeit nicht besonders gut geht, ich aber mit Ihrer Hilfe wieder auf die Beine kommen kann' zu halten. Ich drücke ihm einen Fünfer in die Hand, gebe ihm einen dicken Kuss und setzte die gestrandete und nun auch noch verwirrte Existenz kurzerhand wieder vor die Tür.

Bis Mittag ist hier normalerweise Totentanz, also habe ich genügend Zeit meine beleuchtete Kuchenvitrine zu inspizieren und ein paar subtile Veränderungen vorzunehmen.

Der erste Gast am Nachmittag ist gar keiner, sondern ein Schuldeneintreiber. An sich wäre dessen Besuch eine ärgerliche Angelegenheit, weil sie viel Papierkram bedeutet. Er drückt mir eine Rechnung in die Hand, die nicht nur die ursprünglich fällige Summe enthält, sondern auch noch eine ganz horrende Bearbeitungsgebühr. Ich begrüsse ihn wie einen alten Freund und drücke ihm lachend die Visitenkarte von meinem Anwalt in die Hand. Immerhin habe ich die fragliche Rechnung bereits vor Wochen beglichen. Nur ist das Kreditwesen hier draussen manchmal noch etwas schwerfällig.

Anschliessend kommt der Postmann mit fünf riesigen Paketen, von denen kein einziges für mich bestimmt ist. Sie alle sind für die Konkurrenz bestimmt, die direkt nebenan ihr Glück mit einem Spezialitätenrestaurant versucht. Die neunen Lampen, die ich vor einigen Wochen per Express bestellt habe sind natürlich nicht dabei.
Ich spendiere dem Postmann einen Drink und er zieht wieder von dannen.

Am Nachmittag lassen sich so langsam die ersten Stammgäste blicken. Ronni ist auch wieder da und beschwert sich den ganzen Rest des Tages darüber wie übel man ihm doch mitgespielt habe. Ich grinse fröhlich vor mich hin und zapfe pfeifend ein Bier nach dem anderen. Eines davon ist für John, der nur vorbei gekommen ist um für eine halbe Stunde seinen Feierabend zu geniessen.

Zwei Stunden bevor ich selbst die Segel streichen will kommt eine junge Dame herein. Beine bis zum Hals und einen Augenaufschlag über dem verführerischen Lächeln, das einem die Knie weich werden lässt. Sie nennt mich 'mein Hübscher', ich sie ganz automatisch 'meine Schöne'. Sie bestellt ein Stück Kuchen und einen Tee. Sie raucht und lacht und flirtet was das Zeug hält. Ich lächle und sehe an ihr vorbei in die Fensterscheibe, direkt auf das Spiegelbild meiner Wanduhr. Noch eine Stunde.

Als ich die junge Dame, meinen letzten Gast für heute, frage 'Noch eine letzte Bestellung?', da macht sie mir ein Angebot, bei dem ich normalerweise rot geworden wäre. Ich lächele und lehne dankend ab. Ich dränge sie ein wenig doch bitte zu bezahlen, da ich heute pünktlich schliessen müsse.
Ich verriegele die Tür hinter ihr und stopfe die mit ihrer Telefonnummer verzierte Servierte geradewegs in den Recycler. Endlich ist Schluss für heute.

Ich haue ab, ohne zuvor sauber zu machen, denn gleich kommt das Shuttle am Hafen an. ich fahre hinüber und endlich,m nach knapp einem halben Jahr kann ich meine Frau und meine kleine tochter wieder in die Arme schliessen. Das wurde aber auch verdammtnochmal endlich Zeit!
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