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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 19 Nov 2007 09:20 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 16 |
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Was bisher geschah:
Nachdem sich herausgestellt hat, dass die Ehefrau Fürst Grausams, des gefürchtetsten Mannes in der Galaxis, abhanden gekommen und auf die Erde gebracht worden war (siehe: 'Der letzte Feind'), machen sich zwei Parteien auf die Socken um sie zurück zu holen. Da wäre zum einen eine geheime Abordnung der Military Company, die noch immer dabei ist den eigentlich Auftrag erseteinmal vollständig zu entschlüsseln. In ihrer Begleitung befindet sich der Ausserirdische Wächter Kondor, welcher die Interessen der 'Verbündeten' vertritt und einfach jede Art von unnötigen Konflikten vermeiden möchte. Die zweite Abordnung bildet der Fürst höchstpersönlich, und zwar in Begleitung des Sprengstoffexperten Robert T. Wells.
Während beide Gruppen zielstrebig auf die Rettung der Fürstin hinarbeiten, schmiedet Iannyss finstere Rachepläne gegen ihre Entführer und steht kurz davor, diese in die Tat umzusetzen.
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„Ja klar!“ fiel Joschi ein. „ Man muß ein bisschen mit dem Namen herumspielen. Wenn man den ersten Buchstaben vom Nachnamen wegnimmt und an den Vornamen hängt, dann klingt er fast wie Iannyss. Und masuarg ist nichts anderes als ein Anagramm für Grausam.“ freute er sich. „Und 'Memphis' ist nur ein weiter Hinweis auf ihre Herkunft.“
Wells, beziehungsweise Kondor, wollte dazu etwas sagen, doch Adelbi kam ihm zuvor. „Memphis? Soll das etwa eine Anspielung auf 'den King' sein?“
„Aber ja!“ Stangehood war ganz in ihrem Element. „Sein Fanklub behauptet doch steif und fest, daß er nicht gestorben sei, sondern von Außerirdischen entführt wurde. Ich weiß, es ist eine ganz schön blöde Anspielung, aber vielleicht ist dem General nur nichts besseres eingefallen?“
„'Kommt mich doch mal besuchen'. Verstehe.“ bestätigte Adelbi und nickte. „Bleibt nur die Frage, warum wir sie dort treffen sollen.“
„Weil sie von gewissen Menschen entführt wurde.“ erklärte Wells/Kondor.
„Das ist doch Blödsinn. Wer wäre denn so dämlich?“ fragte Strangehood.
'Menschen', dachte Kondor.
„Also so bescheuert kann kein Mensch sein! Irgendwelche anderen Ideen?“ fragte Adelbi. Kondor seufzte. So kam er nicht weiter. Er schaltete das kleine Gerät ab, das ihm das Erscheinungsbild und die Stimme von Robert T. Wells verlieh. Reifen quitschten, als Joschi eine Vollbremsung hinlegte.
Kondors Erklärungen waren weitschweifig. Und, wie sich später herausstellen sollte, auf eine fatale Weise unvollständig.
Iannyss betrat die Küche. Sie zählte drei Menschen. Zwei von ihnen trugen weiße T-Shirts und eine Schürze. Ein Dritter war vollständig in dunkles Grün gekleidet, saß an einem kleinen Tisch in der Ecke und hielt einen Becher in der Hand. Als er den Doktor eintreten sah nickte er ihm müde zu. Als er Iannyss eintreten sah sprang er so apruppt auf, daß er dabei einige Tassen zu Boden fegte. Der Mann war groß. Wenigstens Einsfünfundneunzig. Er ließ sie nicht aus den Augen. Iannyss blieb im Abstand von zwei Metern vor ihm stehen und lächelte ihn an. „Doktor?“
„Hallo Brucke. Wie geht's denn?“ fragte Monty nervös. Brucke war keinen Freund von ihm. Was nicht verwunderlich war, da der Doc ohnehin keine Freunde hatte. Aber Brucke galt zudem auch als extrem paranoid. Völlig normal, wenn man bedachte, daß er zu den Außenteams gehörte, aber lästig im täglichen Umgang.
„Doktor, wieso ist diese Frau hier?“
„Also..., sie wollte gerne mal die Küche sehen.“ erklärte Monty verlegen.
„Und sie führen sie hier spazieren?“ schrie Brucke, der es einfach nicht glauben konnte.
„Ja sicher, warum denn nicht?“
„Deswegen zum Beispiel.“ erläuterte Brucke gequält. Er vermied es, sich hastig zu bewegen und beschränkte sich darauf, den Doktor hasserfüllt anzustarren. 'Ich hätte sofort schießen sollen', dachte er bei sich. 'Ich hätte verdammtnochmal sofort...'
Monty seinerseits starrte die Frau an. Er suchte nach einer Erklärung dafür, daß seine Patientin plötzlich hinter dem Söldner stand, ihn in die Knie zwang und ihm ein erschreckend scharfes Schälmesser an die Kehle hielt. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 21 Nov 2007 10:46 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 17 |
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Die gebogene Klinge schmiegte sich liebevoll an Bruckes Kehle. Das Gesicht der jungen Frau verzerrte sich nicht. Gelassen blickte sie sich um. Da sie immer noch das Krankenhaushemdchen trug wirkte die Szene so irreal, dass der Doktor beinahe gelacht hätte.
„Ich sehe doch, daß Du immer noch lachst.“ beschwerte sich Grausam.
„Ich lache nicht, ich ... fahre nur...den Wagen.“
„Du stotterst immer wieder und bist knallrot im Gesicht!“
„Nur..vor..Aufregung.“
Sie schwiegen eine Weile, bis Wells sich wieder einigermaßen im Griff hatte.
„Wir sind in etwa zwei Stunden dort. Du bist sicher, dass sie auf uns warten werden?“ kündigte Wells schließlich an.
„Kondor wird ihnen inzwischen mitgeteilt haben, dass wir unterwegs sind. Leider hat deine Anreise länger gedauert als geplant, aber sie wären verrückt, wenn sie ohne mich dort hinein gingen. Sie müssten befürchten, von Iannyss auseinandergenommen zu werden.“
„Aber Kondor ist dabei. Auf den würde sie sicher hören, oder?“
„Wenn er sie irgendwie austricksen kann, ja. Aber wenn nicht...“
Grausam kramte einen kleinen zerknüllten Zettel und einen winzigen Bleistift aus dem Handschuhfach. Hast Du den Sprengstoff?“
„Jjip!“
„Waffen?“
„Jjip!“
„Was bedeutet 'jip'?“
„Heisst 'ja'.“
„Hast Du das Betäubungsgas?“
„Was?“
Iannyss fühlte sich so glücklich wie ein Kind im Bonbonladen. Inzwischen hatte sie in einem der Umkleideräume ein paar Klamotten gefunden. Grün war zwar nicht unbedingt ihre Farbe, aber im Moment durfte sie nicht zu wählerisch sein.
Sie zählte dreiundvierzig Menschen. Die letzten hatte sie am großen Eingangstor eingesammelt. Sie waren dort zusammengebrochen als der Alarm losging und sie nachsehen wollten, was los war.
Um sie alle in einem Raum unterbringen zu können hatte sie den grössten gewählt, den sie finden konnte. Nun saßen alle auf Plastikstühlen im Besprechungsraum. Sie wirkten wie das Publikum einer besonders avangardistischen Theatervorstellung. Geschockt.
Der Vergleich hinkte ein wenig. Es sei denn, es gäbe irgendwo auf der Welt ein Theater, dass die Angewohnheit hatte, das Publikum buchstäblich an die Sitze zu fesseln. Mit Kabelbindern, Schnur, Sicherheitsketten oder Draht.
„Doktor, was immer die Zukunft bringt, auf eines können sie sich verlassen: Wenn ich Sie jemals in die Finger bekomme, dann drehe ich ihnen den Hals um!“ schwor Brucke, der sich nur mühsam unter Kontrolle halten konnte. Der Kopf tat ihm weh und die Handgelenke schmerzten vom ununterbrochenen Zerren an der Kette. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 23 Nov 2007 11:08 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 18 |
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„Nana, wir wollen doch nicht übertreiben. Sie sind schließlich für die Sicherheit zuständig, nicht ich! Warum geben Sie immerzu mir die Schuld?“ empörte sich der Doktor. Sein hochroter Kopf verriet Schuldbewusstsein, aber natürlich wollte er das nicht ausgerechnet diesen Besserwisser merken lassen.
„Na mal sehen. Abgesehen davon, daß sie eine Außerirdische durch den Stützpunkt geführt und ihr alles gezeigt haben, meinen Sie?“
„Woher sollte ich denn wissen, was sie vorhatte?“
Bruck zog und zerrte an seinen Fesseln. Er war einer der Wenigen, die Iannyss vorsichtshalber an die Heizung gekettet hatte. Sie selbst hatte es sich mit einem Nussriegel aus dem Automaten in einer Ecke bequem gemacht und genoss die Show nach dem großen Erwachen. Für's Erste.
„Was glauben Sie eigentlich, wozu die Vorschriften da sind, man?“
„Damit Leute wie Sie ewig was zum Herumnörgeln haben?“ riet Monty.
„Sie Riesenrindviech! Wer hat Sie den nur aus der Anstalt entlassen?“
„Ich sehe überhaupt keinen Grund, meinen Onkel in die Sache hineinzuziehen!“ empörte sich der renomierte Mediziner.. „Er hat nur das getan, was das Beste für die Familie...“
„Schnauze halten! Sie haben der da wirklich schon genug geholfen!“ Bruck ruckte mit dem Kof herum in Richtung der jungen Frau. Sie warf gerade eine Erdnuss in die Luft und schnappte danach.“
„Und Sie müssen sich immer wichtig machen! Warum haben Sie denn nicht besser aufgepasst?“
Brucke atmete hörbar ein. „Sie haben recht. Sie haben ja soo recht! „Oh das lassen Sie lieber bleiben, Fräulein“, intonierte er mit piepsiger Stimme, die der des Doktors sehr ähnelte, „Wenn der Alarm losgeht, dann wird hier überall Schlafgas eingeleitet.“ Mit seiner normalen, lauten Stimme fuhr er fort: „Ich hätte Ihnen sofort eine Kugel durch den Kopf jagen sollen, als Sie den Mund aufmachten! Aber leider war ich ein wenig abgelenkt.“ Er wurde immer lauter. „Von dem verdammten Schlag auf den Kopf, wissen Sie noch? Den, den sie mir verpasst haben als ihre kleine Freundin hier mir das Messer an die Kehle gehalten hat?“
Monty ließ den Kopf hängen und schwieg. Er schmollte.
Einer der Männer auf den Stühlen versuchte, sich zu bewegen. Die Arme schliefen ihm langsam ein. „Entschuldigen Sie, Fräulein. Kann ich bitte mal auf die Toilette?“ fragte er unsicher. Iannyss Grinsen wurde immer breiter. „Machen Sie sich nicht die Mühe. Schwester, wären Sie wohl so freundlich...“ „Nein! Hey! Haha, ist ja lustig. Ich muß plötzlich gar nicht mehr.“
Iannyss warf die leere Verpackung von dem Nussriegel gekonnt in den Mülleimer und erhob sich mit derselben, langsamen Bewegung. Sie sah all ihre 'Gäste' der Reihe nach an. Es war mucksmäuschenstill. Das Vorprogramm war beendet.
„Damen und Herren, da sie mir ohnehin eine Weile Gesellschaft leisten werden, möchte ich mich Ihnen vorstellen. Offenbar ist es ja keinem von Ihnen gelungen herauszufinden mit wem sie es zu tun hahen. Was mich ein wenig irritiert. Immerhin habe ich bereits mehrere Wochen in einer ganz ähnlichen Einrichtung verbracht. Redet ihr Menschen denn nie miteinander?“ _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 26 Nov 2007 12:34 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 19 |
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Verständnislose Blicke begegneten den ihren, prallten ab und huschten zurück.
„Mein Name ist Iannyss. Der Name sagt Ihnen nicht viel, wie ich sehe. Vielleicht ist ihnen mein Arbeitgeber und Ehemann ein Begriff? Er wird Fürst Grausam genannt.“
Betroffenes Schweigen herrschte, nur durchbrochen von einem leisen, stetigen Plätschern das langsam zu einem Tröpfeln abebbte. Und von Bruck, der tobend an seinen Ketten zerrte.
Iannyss war zufrieden.
„Zumindest Sie wissen also, was das bedeutet, Brucke?“
Brucke keuchte. „Hören Sie, knalllen sie mich ruhig ab, aber lassen Sie mich bitte erst den verdammten Quacksalber erwürgen!“
Iannyss Blick drückte Bedauern und eine gewisse Zuneigung aus. Milde gestimmt antwortete sie „Später vielleicht.“
Dann wandte sie sich einem der Männer in den unmöglichen Uniformen zu. Diese Dinger waren dunkelgrün mit schneeweißen, kreuzförmigen Abnähern. Auch zwei Frauen trugen diese Uniformen, aber an ihnen war sie derzeit nicht sonderlich interessiert. Bis auf wenige Ausnahmen hielten sie nie lange durch.
„Ist einer der Herren vielleicht in Stimmung, mir die eine oder andere Frage zu beantworten? Nein?“
„Ok. Das war zu leicht, findet ihr nicht auch?“ fragte Adelbi. Kondor blickte auf die sieben bewußtlosen Männer am Boden hinab und nickte. „Sie waren schon ein paar Minuten lang mit dem Funkegerät beschäftigt gewesen, bevor wir sie entdeckten. Ob sie etwas weitergegeben haben?“
„Habt ihr bemerkt, wie nervös sie gewirkt haben?“ fragte Strangehood.
„Ihre Umgebung schien ihnen völlig egal zu sein.“ ergänzte Joschi.
„Mon dieus! Isch habe lange keine so schräcklischen Klamotten mähr gesähän. Karierte 'emden!“
„Die Jungs wollten ja auch nicht heiraten, sondern etwas bewachen. Und zwar inkognito, wie es scheint. Joschi, Kondor und Strangehood, ihr geht rein und seht euch da um. Richárd und ich behalten die Umgebung im Auge. Abmarsch!“
Kondor hielt sich dicht bei Strangehood. „Entschuldige, aber ich bin wohl nicht ganz auf dem Laufenden. Dieses Haus gehört einer Einrichtung, die 'katholischen Kirche' genannt wird, nicht wahr?“
„Klar. Steht doch auf der Tafel, siehst Du?“
Sie stieg die Veranda hinauf und öffnete die Tür. Mit Überraschungen rechnete sie nicht mehr. Sie hatten das Haus eben erst Zimmer für Zimmer nach weiteren Verteidigern durchsucht. Jetzt würden sie es nochmals durchsuchen müssen, weil sie bisher nichts gefunden hatten, das auf eine unterirdische Einrichtung schließen ließ.
„Aber die Kirche ist doch eine dieser weltweit operierenden Sekten, denen das Wohl der Menschen am Herzen liegt? So hatte ich das jedenfalls verstanden.“
„Was? Ohh, ach so. Für viele ist sie das natürlich.“
„Für viele, aber nicht für alle?“
„Nein, nicht für alle.“
„Kannst Du mir das erklären?“
„Ich kann es ja mal versuchen. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 27 Nov 2007 18:22 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 20 |
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WARNUNG!
Wer hier weiter liesst, der riskiert sein kirchlich verordnetes Seelenheil.
Sorry.
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Da hätten wir zuallererst den Papst als weltweit operierendes Oberhaupt des Vatikans. Es ist so etwas wie der offizielle Fürsprecher aller Katholiken vor Gott.“
„Und Gott hört auf ihn?“
„Keine Ahnung. Hab ihn nie getroffen und ihn auch nie danach gefragt. Entscheidend ist, das die Menschen dem Papst das abkaufen. Unsere Zeitrechnung zum Beispiel geht auf einen Mann namens Jesus Christus zurück, der angeblich vor zweitausenddreiunddreinundfünfzig Jahren geboren wurde. Wenn er tatsächlich je gelebt hat, dann war er ein bemerkenswerter Mann. Vieles von dem was er gesagt oder getan haben soll, steht in einem Buch das 'Das Wort Gottes' genannt wird. Und dieses Buch widerum ist der Grundstein der Macht des Vatikans. Bis heute. Die Katholiken haben Jahrhundertelang überall auf der Welt Filialen eröffnet. Anfangs haben sie ziemlich viel Mist gebaut. Kriege geführt, Leute verbrannt und dergleichen. Aber zum Ende des letzten Jahrtausends hielt man sie weitgehend für harmlos. Es galt in vielen Gegenden als selbstverständlich dort Mitglied zu sein.“
„Sie führten keine Kriege mehr?“
„Nein. Jedenfalls nicht sehr viele. Und die wenigen nicht in aller Öffentlichkeit. Das war eher eine Angelegenheit des vatikaneigenen Gehimdienstes und seiner weltweiten Beziehungen in Politik und Wirtschaft. Der Hauptteil der kirchlichen Gemeinde zeichneten sich dadurch aus, dass er sich wenigstens einmal in der Woche in Gruppen zusammensetzte, wo die Mitglieder ein bisschen aus dem Buch vorgelesen bekamen. Und dann haben sie gesungen.“
„Wozu?“
„Weiß nicht. Vielleicht fühlten sie sich danach einfach besser. Es gab natürlich auch viele Mitarbeiter, die viel mehr zu tun hatten. Angeblich verteilte die Kirche Essen und Kleidung an die Armen. Wenn ich mich recht erinnere, dann passiert das sogar noch heute ab und zu.
Joschi, sieh du oben nach! Kondor und ich nehmen uns das Untergeschoss und den Keller vor. Außerdem hatte jedes Mitglied das Recht, seinen Zuständigen Abteilungsleiter um ein Gepräch zu bitte. Sie durften zu ihm gehen und ihm alles erzählen, was ihnen auf der Seele lag. Wenn sie etwas angestellt hatten zum Beispiel.“
„Warum sollten sie das tun? Hat der Abteilungsleiter sie denn nicht für ihr Fehlverhalten bestraft?“ „Nein. Er durfte mit Niemandem darüber sprechen. Er durfte demjenigen nur ins Gewissen reden und ihn daran erinnern, daß er sich nicht an das Buch hielt.“
„Und es ist ihm wirklich nichts passiert?“
„Nur, wenn die Polizei ihn erwischt hat. Oder wenn einer der Priester, so wurden die Abteilungsleiter genannt, sich nicht an die Regeln hielt.“
„Polizei? Eine Art Wächter wie wir?“
„Ja, wenn man nur nach der Jobbeschreibung geht.“
„Aha. Und warum haben die Menschen dieses Gespräch gesucht?“
„Ich verstehe es auch nicht genau. Ich denke aber, es hat damit zu tun, daß sie sich immerzu schuldig fühlten. Das hängt mit dem Buch zusammen. Grob gesagt steht darin, daß du nach deinem Tod in den Himmel kommst, wenn du alles richtig machst. Wenn du etwas falsch machst und es dir nicht leid tut, dann kommst du in die Hölle, wo man dir ganz übel mitspielen wird. Und zwar für alle Ewigkeit. Die Menschen hatten sicher große Angst vor der Hölle.“
„Die hätte ich auch.“ bestätigte Kondor und schauderte. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 29 Nov 2007 12:16 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 21 |
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Der Präsident brauchte einige Zeit, um mit der Situation vertraut zu werden. Die Lobbyisten, die seine Wahl getürkt hatten (Fussnote 1), saßen ihm im Nacken weil er sich weigerte, mit ihnen zu kooperieren. Dann tat er etwas, womit niemand gerechnet hatte. Er machte dem Senat klar, daß er keine andere Möglichkeit hätte, als ihn zu unterstützen. Anderenfalls wäre Amerika am Ende. Da der Senat befand, dies wäre jetzt schon der Fall, machten sie keine Schwierigkeiten. Jeder Tag, an dem ihnen niemand die Hölle heiß machte, weil sie nichts gegen das Elend unternahmen, wäre ein Geschenk des Himmels. Schlimmer konnte es kaum werden. Also stimmten sie zu, egal, was er ihnen vorlegte. Für den Verkauf der gesammten Vereinigten Staaten hätten sie wahrscheinlich keinen Cent bekommen. Höchstens eine Rechnung über ein paarhundert Milliarden Dollar. Amerika war hoch verschuldet. Der Präsident schaffte es innerhalb von fünfzehn Jahren, die USA wieder halbwegs salonfähig zu machen.“
„Wie das?“
„Er hat vieles verändert. Angefangen hat er beim Militär. Infrantie, Luftwaffe, Marine, alle waren fällig. Zuallererst verkaufe er mehr oder weniger jede einzelne militärische Einrichtung, die nicht über atomare Waffen oder Abschussbasen verfügte, oder die nicht schon von seinem Vorgänger unter der Hand verkloppt worden war.
Er nannte das 'umsichtige Privatisierung'. Die 'Amerikan Military Company' wurde gegründet. Der Präsident schloss einen Vertrag mit der neuen Firma, in der sie sich verpflichtete, in Zukunft jeden Auftrag anzunehmen, den der amerikanische Präsident an sie heran trug. Sie erhielt keinerlei Subventionen mehr, was den Verteidigungshaushalt um mehrere Milliarden Dollar schrumpfen lies. Eine Firma zu beauftragen war viel billiger, als ein Heer zu unterhalten. Und die Company kam trotzdem prima über die Runden. Wenn ich mich recht erinnere erhielt sie eine Menge Aufträge aus Russland.“
„Niemand hatte etwas dagegen?“
„Es gab einen ganz schönen Wirbel. Aber am Ende stellte sich heraus, das jeder das bekam, was er wollte. Die Vereinigten Staaten verdienten viel Geld in Form von Steuern, das die Regierung zu gleichen Teilen in das Bildungssystem, soziale Absicherung und in die Krankenversorgung investierte(Fussnote 2). Die Folge waren zwei Kontinente voller halbwegs friedlicher Menschen, gut bezahlter Fachkräfte und Gefängnissen, die um ihre Existenz bangten. Wie gesagt, er war kein Vollidiot. Die alteingesessenen Lobbyisten verloren bereits seit Jahren durch das Info-Web an Boden. Die Medienkonzerne sagten sich von ihren Herren los und unterstützen den Präsidenten, weil es lukrativer war. “
„Ein guter Präsident, scheint mir.“
„Das war er. Und naürlich ein egoistischer, machtgieriger Mistkerl.“
„Ein...?“
„Na sicher. Immerhin wurde er ungeheuer reich und das Präsidentenamt war nicht länger eine Marionettenherrschaft, sondern ein Posten mit echter Macht. Er fand schnell neue Freunde. Aber wenigstens verzichteten sie diesesmal darauf, die Bevölkerung ausbluten zu lassen. Was soll ich sagen? Es hat funktioniert.“
„Hm. Aha. Und wie passt der Vatikan da hinein?“
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1 Ein gängiges Verfahren der Machtergreifung. Man durfte sich nur nicht zu früh dabei erwischen lassen.
2 Und in einen privaten Sicherheitsdienst, den er von der „Amerikan Military Company“ mietete, weshalb er sehr sehr lange Präsident geblieben ist. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 30 Nov 2007 11:24 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 22 |
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„Hier ist etwas. Eine Falltür unter dem Teppich. JOSCHI! Sag denen da draußen Bescheid, das wir etwas gefunden haben, ja?“
„Wird sofort erledigt!“ bestätigte Joschi und rannte bereits los.
„Der Vatikan funktioniert ganz ähnlich wie die Company.“fuhr Strangehood fort.
„Wurde er auch 'privatisiert'?“
Sie lachte herzhaft. „Nein, das nicht. Aber ebenso wie die Company muss er sich etwas einfallen lassen, womit er Geld verdienen konnte. Anfangs, nachdem die Leute scharenweise aus der Kirche austraten, vielleicht weil sie sich inzwischen vor weit realeren Dingen als der Hölle fürchteten, und die Kirche sich viel zu lange weigerte mit der Zeit zu gehen, da haben sie es zum Beispiel mit geweihten Kondomen versucht. Aber das hat nicht gut funktioniert. Das Vertraunen in das sakrale Produkt war nicht sehr gross. Also haben sie sich alles Mögliche einfallen lassen. Als die Menschheit endlich vorsichtige Schritte in Richtung Raumfahrt unternahm sah der Vatikan wieder Land. Erst recht, als sich herausstellte, dass wir im Universum nicht so einsam waren, wie die Gesetzte der Wahrscheinlichkeit vermuten liessen.
Das 'Wort Gottes' unter den 'Ungläubigen' zu verbreiten war schon Jahrhundertelang Gang und Gäbe in der Kirche. Warum vor euch halt machen? Die Kirche verdiente sich eine goldene Nase, indem sie den Slogan 'Wir tragen das Wort Gottes in den Himmel' auf T-shirts drucken liess. Allerdings begnügt sich der Vatikan nicht allein damit, etwas hinaus zu tragen. Sie möchten auch etwas zurück bekommen. Ich vermute, da unten zeigt gerade jemand massives Interesse an Iannyss. Immerhin ist sie eine Ausserirdische und damit allemal interessant genug, um gründlich unter die Lupe genommen zu werden. Für den Fall, dass sich die Kenntnis über ausserirdische Biologie irgendwie vermarkten lässt. Das ist schon alles. Traurig, nicht wahr?“
„In der Tat. Und ich fürchte, sie wird nicht entzückt darüber sein. Vielleicht wäre es besser, nicht auf Grausam und Robert zu warten, sondern sofort hinuter zu gehen. Ich fange an, mir Sorgen um die beiden zu machen. Sie sind spät dran.“
„Was?“
„Spät dran wie 'nicht sehr pünktlich'.“
„Warte mal kurz. Ich finde, wir sollten noch ein bisschen reden. Ganz in Ruhe. Vielleicht habe ich vorhin nicht alles mitbekommen, aber du hast da gerade zum ersten mal Robert erwähnt,...“
„Faszinierende Erfindung. Wie wird sie genannt?“
Der Mann vor Iannyss krümmte sich keuchend und japsend zusammen. Er hätte sich auf dem Stuhl nicht halten können, wenn er nicht festgebunden gewesen wäre. Er starrte sie ungläubig an.
„Das ist ein Elektroschocker, Fräulein.“ warf Monty hilfreich ein. „Man benutzt ihn allerdings normalerweise nicht gleich vier mal hintereinander. Einmal genügt gewöhnlich.“
„Tatsächlich?“
„Ja. Die Wachen verwenden ihn nur, um gefährliche Personen daran zu hindern, jemandem zu schaden.“
„Also dann funktioniert er nicht sehr gut, oder? Habt ihr denn nichts Wirksameres?“ _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 03 Dez 2007 11:56 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 23 |
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Der Mann auf dem Stuhl rappelte sich langsam wieder auf und stöhnte vorwurfsvoll.
Brucke starrte wütend auf einen Fleck auf dem Fussboden. Das Zerren an den Ketten hatte er aufgegeben. Er konzentrierte sich inzwischen auf das Schloss. Leider nicht sehr erfolgreich. Ihm fehlte die Übung.
„Nun lassen Sie doch endlich den armen Mann da in Frieden! Der arbeitet nur in der Küche und ist völlig harmlos!“ verlangte eine Stimme aus dem Publikum.
Iannyss erinnerte sich an die Frau, die sich eben zum ersten mal bemerkbar gemacht hatte. Sie war eine der drei Personen, die sich in der Komandozentrale aufgehalten hatten. Die Fürstin wusste inzwischen, daß sie alle nicht sehr intelligent sein konnten. Ansonsten hätten sie, nachdem Iannyss den Alarm ausgelöst und sich die Gasmaske gegriffen hatte, keinen Schritt vor die Tür getan. Aber stattdessen liefen sie, selbst mit Masken ausgestattet, direkt in sie hinein. Offenbar liessen sie sich durch die primitive, grossflächige Filtermaske täuschen und Iannyss liess ihnen keine Zeit, diesen Fehler zu korrigieren. Anschliessend hatte sie auch die restliche, friedlich schlafende Belegschaft einfach eingesammelt. Die größte Herausforderung der gesamten Aktion hatte darin besanden, Brucke unter Kontrolle zu bekommen. Schließlich hatte sie den Doktor überredet, ihm eins über den Schädel zu ziehen und die anderen zu fesseln. Sie fand es erstaunlich, womit man hier durch kam. Warum hatten die Befehlshaber nicht einfach auf Verstärkung gewartet? Hatten sie sich vielleicht davon täuschen lassen, dass sie ganz allein war? Und wo blieb die Verstärkung eigentlich?
„Wie ist ihr Name?“ fragte sie schließlich.
„Ich...werde ihnen nichts sagen!“ stotterte die Frau, offenbar erschrocken vor der eigenen Courage.“
„Sie möchten sich nicht mit mir unterhalten? Sind sie da ganz sicher?“
„Ich..also..nein ich..würde Sie gerne etwas fragen.“
„Nur zu!“
„Woher haben sie das gewußt?“
Iannyss stutzte. Gewußt?
„Ich denke nicht, das ich Ihnen das mitteilen werde.“ antwortete sie schließlich.
„Aber ich muß es wissen! Das war doch ganz und gar unmöglich! Es wußte doch niemand außer uns Dreien, daß die Kommunikation wegen der Reparaturen ausgefallen war! Normalerweise würde der Ganze Laden hier bald vor Sicherheitskräften nur so wimmeln wenn der Alarm losgeht. Ich muss einfach wissen, wer ihnen das verraten hat!“
Ianniyss sah sie an, lächelte und lachte dann laut los. Aha! Manchmal war das Leben richtig schön. Es wurde noch schöner, als die Drei aus der Zentrale damit anfingen, sich gegenseitig misstrauische Blicke zuzuwerfen.
„Berufsgeheimnis.“ erklärte Iannyss.
„Finden Sie sich einfach damit ab. Es werden keine tapferen Soldaten durch diese Tür gestürmt kommen um sie vor mir zu beschützen. Wir haben also viel Zeit um uns kennen zu lernen.“
Die Tür flog mit einem lauten Krachen auf. Dahinter postierten sich Soldaten und brachten automatische Gewehre in Anschlag.
Iannyss war überrascht. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 05 Dez 2007 05:26 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 24 |
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Aber sie war auch erfreut darüber, dass es jemandem gelungen war sie auszutricksen. Dies geschah nicht oft.
Die Bewegungen im Saal erstarben. Röchelnd noch immer im Falle des Mannes vor Iannyss. Doch aus dem Flur ertönte eine Kakophonie aus klappernden Geräuschen und verschluckten Flüchen. Der Krach und die Flüche kamen näher und erschienen in Form einer kurzgeschorenen Frau im Soldatenlook. „Was zum Teufel ist denn das hier alles? Was machen denn all die Bestecke und Tassen und so auf dem Flur? Man kann ja keinen Schritt gehen ohne sich.....Iannyss!“ erkannte Strangehood.
Iannyss gute Laune sank schlagartig in den Keller. Die schon wieder! Und da war sogar Kondor. Versteckte sich hinter dem, der Adelbi genannt wurde. Das war gut, obwohl sie den Kerl nicht mochte, weil sie sicher war, dass er ihrem Herren Flausen in den Kopf setzte wenn sie sich trafen, um zu verhandeln. Ausserdem mischte er sich ständig in Dinge ein, die ihn nichts angingen.
Seine Anwesenheit hier war sicherlich wieder so eine Wächter-Angelegenheit. Das bedeutete, keiner würde auf sie schießen. Das widerum bedeutete, sie würde niemanden töten müssen. Und das hieß, sie würde nicht gegen den Befehl ihres Herren (oder Ehemannes, aber es würde wohl noch eine ganze Weile dauern, bis sie sich an den Gedanken restlos gewöhnt hatte) handeln müssen, der es ihr gebot, niemanden zu töten. Nichtmal den Koch.
Das Team schob sich langsam aber bestimmt in ihre Richtung. Iannyss ging in Kampfposition, was bedeutete, daß sie einfach stehen blieb. Das Publikum drehte irritiert die Köpfe. Manche schienen erfreut. Andere sahen die Uniformen. Sie hatten die falsche Farbe und das bereitete manchem von ihnen Sorge.
„Ihr werdet mich nicht angreifen.“ gebot Iannyss.
„Na gut.“ wurde sie von Adelbi bestätigt. „Dann komm einfach mit raus, ja? Die anderen auch.“
„Was?“ rief die eine Hälfte der Leute auf den Stühlen. „Oh, Gott sei Dank!“ stöhnte die andere erleichtert.
„Warum denn schon gehen? Es ist doch gerade so nett hier.“ Iannyss wußte, daß sie ihre Feinde herausforderte, aber es war nunmal nicht geplant, daß sie sich einfangen ließ. Es war einfach nicht ihr Ding. Und sie würde auch vor ihren Leuten ganz schlecht da stehen. Kondor war das eigentliche Problem. Wenn sie irgendwie um ihn herum kam, dann hatte sie schon gewonnen. Die anderen würden sie nicht festhalten können. Aber der Mistkerl hatte sicher ein paar Tricks auf Lager. Wie wäre die ganze Bande sonst an ihren, zugegebenermassen improvisierten, Sicherheitsvorkehrungen vorbei gekommen?
„Autsch!“
Sämtliche Köpfe drehten sich synchron zur Tür. Von dort war der Aufschrei gekommen. Das wäre die Gelegenheit für Iannyss gewesen sich davon zu machen, aber an Stelle dessen zog sie eine Schnute wie ein schmollendes Kind.
In der Tür stand ein junger Mann. Seine Haut hatte die Farbe von Karamell und seine Kleidung wirkte würdevoll. Ein weites, schlichtes weißes Hemd und eine lockere schwarze Hose sollten nicht den Eindruck von Würde erwecken können, aber diese waren verflixt gut gearbeitet und bestimmt ziemlich teuer. Sie verliehen ihrem Träger den Anschein von genereller Überlegenheit. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 07 Dez 2007 05:15 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 25 |
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Dies, seine Haltung und ein glänzender Schädel drückten aus, daß er in der Position war, gewöhnliche Alltagssorgen wie Einkaufen und Haarpflege auf andere abzuschieben. Seine Augen blitzen auf, als er sich dem Mann im schwarzen Drillich zuwandte, der mit schmerzerfülltem Gesicht zu seinen Füßen hockte und sich bemühte, den Druck loszuwerden, der seinen ganzen Körper erfasst zu haben schien. Dabei hielt Grausam nur seine Hand. Sehr fest allerdings und in einem Winkel, der es dem Rest des Körpers schwer machte, sich in eine andere Richtung als 'runter' zu bewegen, ohne vor Schmerzen zu explodieren.
Bis eben, als sie den Gang entlang gegangen waren (allerdings an der Decke), schien alles in Bester Ordnung zu sein. Sie warfen heimlich einen Blick in den inzwischen ziemlich überfüllten Raum vor ihnen. Jedoch inzwischen wieder vom Boden aus. Grausam hatte sich schnell zurückgezogen. Er hatte nachdenklich an der Wand gelehnt. Doch noch bevor Wells ihn fragen konnte was sie nun unternehmen sollten straffte er sich. „Gib mir deine Hand.“ gebot er entschlossen. Doch noch bevor Wells wußte wie ihm geschah raunte Grausam ihm zu 'Vertrau mir jetzt einfach!', ergriff seine rechte Hand, machte einen großen Schritt nach vorne, wobei er Wells stolpernd hinter sich her zog, und verdrehte ihm auf ganz gemeine Weise den Arm. Einfach so.
Wells stöhnte. Mehr brachte er nicht fertig. Von diesem Teil des Plans hatte Grausam ihm vorher nichts erzählt. Auch nicht davon, dass sie hier den Rest des Teames treffen würden. Oder davon, dass sie in eine Einrichtung des Vatikans eindringen mussten. Es hätte Wells nicht viel ausgemacht, darüber Bescheid zu wissen. Genau genommen, überlegte Wells, hatte Grausam überhaupt nicht viel über diesen Einsatz erzählt. Nur, dass es wahrscheinlich irgendwo etwas in die Luft zu sprengen gab. Wells mochte es, Dinge in die Luft zu sprengen.
Der Plan sah vor, Iannyss herauszuholen, was mit den Gimmiks aus Grausams technischem Repertoir sicher kein Problem darstellen würde, und anschließend alle Hinweise auf ihre Anwesenheit verschwinden zu lassen. Vielleicht hätte er zwischendurch doch mal nach den Einzelheiten fragen sollen. Zum Beispiel: 'Wer hat denn nur die Wachen ausgeschaltet?' oder 'Warum steht die Falltür offen?'. Er war einfach davon ausgegangen, daß er das alles in Kürze herausfinden würde. Insofern war es ein guter Plan. Er hatte funktioniert.
„Ihr alle seid meine Gefangenen!“ verkündete Grausam schlicht.
Niemand rührte sich. Keiner der Soldaten probierte aus was geschah wenn er jetzt in der Gegend herumballerte. Weil es gar nicht nötig war. Oder sein sollte. Oder? Verlief hier eigentlich noch alles nach Plan?
„Iannyss, komm auf der Stelle hier her!“
Iannyss gehorchte. Schon stand sie an der Seite des Fürsten und blickte verlegen um sich.
„Ich hab nichts angestellt, Herr! Es sind alle hier. Alle am Leben und bei bester Gesundheit.“
„Was ist mit dem Mann dort? Ich meine den, der so stöhnt. Da hinten, auf dem Stuhl.“
„Das ist ein Folterknecht. Spezialgebiet bösartiges Kochen. Er hat mir bei der...Weiterbildung geholfen.“ _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 08 Dez 2007 09:59 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 26 |
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„Aber das ist doch nur der Koch.“ wimmerte die Frau von vorhin. „Zugegeben, wir wünschen uns alle ab und zu einen Elektroschocker wenn wir die Kantine verlassen, aber...“
„Der Koch also.“ stellte Grausam ruhig fest.
„Ein Missverständnis!“ behauptete Iannyss mit sicherer Stimme.
„Davon bin ich überzeugt. Ich denke, wir sollten jetzt gehen.“ Mit diesen Worten entließ er Wells aus seinem Griff und klopfte ihm kameradschaftlich auf den Rücken. Wells privates Universum aus Schmerz zog sich widerwillig zurück. Strangehood half ihm auf die Beine.
„Ja Herr. Herr?“
Grausam fiel es schwer, seine Erleichterung darüber zu verbergen, dass es Iannyss und den Leuten hier gut ging. Er wollte einfach nur nach hause. Außerdem musste er die ganze Zeit Theater spielen. Iannyss sollte schließlich glauben, er hätte hier alles unter Kontrolle. Genau genommen würde er das selbst gerne glauben. Bisher spielten die anderen mit. Vielleicht hatte er Glück. Und nun hielt sie ihn auf und brachte ihn aus dem Konzept. Das war nicht gut. Nachdenklich sah er zu Kondor hinüber.
„Ja Iannyss?“
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Grausam hörte aufmerksam zu und seufzte dann. Das würde vielleicht alles kompliziert machen, aber er konnte seiner Frau einfach keinen Wunsch abschlagen, jetzt, da er sie endlich wieder hatte.
„Warte mal kurz. Ich will nur sicher gehen, daß die Wächter uns deswegen keine Schwierigkeiten machen. Wir haben mit den übrigen Fürsten vorerst noch genug zu tun. Sie werden langsam frech. Es wird wirklich Zeit, dass du wieder nach hause kommst.“ Er ging zu Kondor hinüber und flüsterte mit ihm. Kondor legte nachdenklich den Kopf schief. Dann sprach er laut mit Adelbi. Der hatte schließlich das Komando.
„Der Fürst wäre bereit, euch gehen zu lassen, wenn ihr ihm dafür eine Bitte gewährt.“
„Ach wirklich?“ fragte Adelbi, der den Überblick zu verlieren drohte.
„Er wünscht mit seinem Gefolge den Großtransporter der Basis für seine Heimkehr zu benutzen.“
Adelbi überlegte. Er war sich ziemlich sicher, daß sie noch alle auf derselben Seite standen. Der ganze Zirkus war nur dazu da, Iannyss in dem Glauben zu lassen sie wären noch Gegner. Eheprobleme. Da wollte sich Adelbi lieber nicht einmischen. Er zuckte die Achseln und sagte: „Kein Problem! Geht in Ordnung.“
„Desweiteren wünscht er, dass einige der Anwesenden ihn begleiten. Mitarbeiter dieses Hauses, um genau zu sein.“ fuhr Kondor fort.
„Hä?“ Adelbi dachte nach. Er wußte, daß dieses 'Haus' für die Konkurrenz arbeitete und nicht für die 'United' (die Dachorganisation der weltweit operierenden 'Military Companys'). Er kannte die Politik der 'United' ziemlich gut und oft genug hatte er sie selbst durchgesetzt. Insbesondere die Raumfahrt und das Transportwesen waren hart umkämpfte Terretorien. Adelbi konnte sich nur nicht vorstellen, dass Grausam diese Typen um sich haben wollte. Aber das sollte nicht sein Problem sein. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 11 Dez 2007 13:20 Titel: Der letzte Feind - Seite 27 und Ende |
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„Also gut, von mir aus. Ein paar der Leute hier wollen euch sicher gerne zu Studienzwecken begleiten. Darum ging es ihnen schließlich, nicht wahr? Erforschung von außerirdischem Leben, blablabla, im Rahmen eines Austauschprogramms, sozusagen. Alles für die Forschung, nicht wahr? Wir wollen diesem noblen Anliegen natürlich nicht im Wege stehen. “
Grausam nickte und verkniff sich ein Grinsen. Dann wandte er sich an seine Frau. „Iannyss, würdest du bitte deine bevorzugten Kandidaten auswählen?“
Iannyss war glücklich. Grausam war bisher immer dagegen gewesen, daß sie ein paar Menschen behielt wenn sie zufällig welche fand. Sie hatte sie immer abliefern müssen. Sie hatte nicht ernsthaft damit gerechnet, daß er 'ja' sagte.
Iannyss deutete mit dem Finger auf die Krankenschwester, bevor es sich jemand anders überlegen konnte.
„Die dort,...!“
„Oh, nicht doch!“ wimmerte die Frau im weißen Kitttel.
„...den Koch,...“
Der ließ traurig den Kopf hängen. Er hätte nie gedacht, daß sein berufliches Desinteresse ihn in derartige Schwierigkeiten bringen würde.
„...den Doktor natürlich,...“
„Ich...aber...oh nein!“
„...und den Mann, der Brucke genannt wird.“
„Ohhh ja!“ In Bruckes Augen blitzte es auf, als er dem Doktor ein schadenfrohes Lächeln schenkte.
„Schön.“ sagte Grausam. „Aber du mußt sie ordentlich versorgen, verstanden? Wenn ich merke, dass du sie vernachlässigst, dann bringen wir sie wieder zurück!“
Eine halbe Stunde später warteten sie alle in gebührendem Abstand zu der unterirdischen Station auf Wells. Er hatte dort unten noch etwas zu erledigen. Die Mitarbeiter der Station nahmen das Geschehen gleichmütig hin. Freund und Feind, Menschen und Aliens standen hier Seite an Seite. Drohungen oder gar Waffengewalt schienen überflüssig, man verstand sich offenbar auch so. Neuigkeiten wurden ausgetauscht, Fragen gestellt, gelacht. Iannyss hielt sich in Grausams Nähe und hütete ihre Schäfchen. Brucke lenkte sich ein wenig ab, indem er immer wieder eine Möglichkeit fand heimlich nach dem Doktor zu treten. Fürst Grausam und Kondor plauderten angeregt über die Tatsache, daß sie die Bedeutung des Geldes auf diesem Planeten vielleicht unterschätzt hätten. Die Leute der Station standen apathisch inmitten des Geschehens und waren überzeugt, sie würden jede Minute aufwachen.
Wells stand in der Zentrale der unterirdischen Forschungsstation. Er klatschte vergnügt in die Hände, fischte die Sprengstoffpäckchen aus der Tasche und stelle in aller Ruhe die Zeitzünder ein.
Gemeinsam betrachteten sie später noch einen Moment das Feuerwerk, bevor sie nach hause zurück kehrten. Iannyss trieb ihre neuen Errungenschaften vor sich her und schubste sie ab und an. Bruke ließ sie in Ruhe. Der drangsalierte seinerseits den Doktor, bis ihn Grausam persönlich bat, damit aufzuhören. Wells holte den Wagen. Es konnte ein wenig eng werden, aber bis Warschau würden sie es wohl aushalten, sofern Brucke und der Doktor nicht im selben Auto saßen.
Die übrigen grüngesichtigen Mitarbeiter überließen sie an Ort und Stelle sich selbst. Verständnislos betrachteten sie die sich schnell entfernenden Wagen. Aber zumindest bewegten sie sich inzwischen wieder. Das letzte, was Wells hörte bevor er ordentlich Gas gab waren die Worte: „Die Tarife sind mir scheißegal! Geben sie mir auf der Stelle Ihr verfluchtes Haed-Set!“
Kondor war fasziniert. Und neugierig. Er musste einfach fragen.
„Joschi, es geht mich zwar nichts an, aber interessieren tut es mich schon. Warum habt ihr den Bunker in die Luft gesprengt?“
Joschi steckte sich eine Zigarette an, bließ genüsslich den Rauch aus, startete den Wagen und war dann bereit für eine Antwort.
„Es mag ein schlimmer Charakterfehler sein, aber wir wissen Konkurrenz einfach nicht zu schätzen.“
Ende Teil II _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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