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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 23 Okt 2007 11:04 Titel: Mission Kurzurlaub - Der letzte Feind, Teil II |
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'Menschen!' dachte Iannyss.
Menschen hatten sie gefangen genommen. In die Verachtung, die sie für die Rassen der Erde empfand, mischte sich ein Quentchen Anerkennung.
Ein unglaubliches Volk, diese Menschen. Sie hatte ihren Herren immer wieder und wieder vor ihnen gewarnt, aber es schien, als hätte er noch Pläne mit ihnen. Er hatte darauf verzichtet die Erde zu pulverisieren, als er die Chance dazu von ihr auf einem Silbertablett serviert bekam.
Anstatt anzugreifen führte er die 'Friedensverhandlungen' so lange fort, bis die Jungas ihnen auf die Schliche kamen und die Schildabwehr um die Erde modifizierten. Jetzt war der Planet leider vollkommen vor Angriffen von aussen geschützt. Jede Attacke würde einfach noch im All verpuffen. Die Jungas hielten sich, mit welchem Recht auch immer, für die Wächter der Galaxis und Beschützer der Menschheit. Unglücklicherwerweise verfügten sie über die Mittel, diese Funktion auch auszuüben. Selbst gegenüber dem mächtigsten Feind mit dem die Erde es je zu tun bekommen hatte.
Natürlich würde sie keinerlei Kritik am Verhalten ihres Herren üben. Das stand ihr nicht zu. Er war derjenige, der das Sagen hatte. Wenn man nicht wusste, wer das Sagen hatte, oder sich nicht daran hielt, versank alles im Chaos. Die Menschen waren das beste Beispiel dafür. Sie waren drauf und dran, dieses Chaos in die Galaxie zu tragen.
Schritte auf dem Flur. Wenigstens zwei Männer. 'Beide ca. einen Meter Achzig groß, schwere Stiefel', registrierte sie beiläufig. Sie blickte auf. Die Schritte verharrten. Ein leises Zischen durchwühlte die Stille. Iannyss konnte sich keinen Reim darauf machen, bis sie ohnmächtig zusammen sackte.
Da war sie. Sie wirkte nicht mehr ganz jugendlich, aber auf eine gewisse Weise durchaus schön. Wie eine aus Stein gehauene Göttin der Antike, die man in ein Krankenhaushemd gesteckt hatte. Der Eindruck konnte duchaus täuschen. Bei diesen Ausserirdischen wußte man nie so genau, womit man es zu tun hatte, dachte Dr. Monty ein wenig zu arrogant wenn man berücksichtigte, daß er noch nie zuvor einem Ausserirdischen begegnet war.
Als man das Mädchen her brachte dachten alle, es würde nicht überleben. Sie hatte einige schlimme Verletzungen davongetragen und das Bewußtsein schon vor einer ganzen Weile verloren. Dennoch schälten sie sie aus den schmutzigen, zerschundenen Sachen (an sich schon eine große Leistung wenn man bedachte, daß ihre Kleidung aus einer Art amazonenhaftem Körperpanzer bestand), um sie zu untersuchen. Sie hatte überlebt. Die Wunden heilten verblüffend schnell. Bisher hatte man die Patientin in ein künstliches Koma versetzt um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Dann war sie wie erhofft aus dem Koma erwacht, doch niemand war am Ende sehr glücklich darüber gewesen.
Nun schlief sie wieder. Das Betäubungsgas würde sie, sofern sie darauf auch nur annähernd wie ein Mensch ragierte, was sehr wahrscheinlich war, noch für wenigstens zehn Minuten ausser Gefecht setzen.
Dr. Monty sah zu, wie seine 'Patientin' von den beiden Wachmännern auf das Krankenbett gelegt und fixiert wurde. Als die Männer ihre Arbeit beendet hatte setzte er sich auf den einzigen Stuhl und wartete. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 26 Okt 2007 09:24 Titel: Mission Kurzurlaub -Seite 2 |
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Er war gespannt, wie sie es aufnehmen würde, dass sie sich plötzlich in einem Laboratorium befand. Sie schlug die Augen auf.
„Seid ihr auch ganz sicher?“
„Völlig sicher, Dr. Monty.“ erwiderte die Wache beschwichtigend. Monty presste sich einen Eisbeutel an die Stirn. Er betupfte vorsichtig die Stelle wo die Kante von dem kleinen Beistelltisch ihn erwischt hatte eine riesige Beule hinterließ, die mehr und mehr anschwoll.
So ein Wahnsinn. Sie hätte doch wenigstens so lange warten können, bis er sich ihr vorgestellt hatte. Aber kaum hatte sie die Augen aufgeschlagen, da ruckte sie kurz an den Fixierbändern, fetzte sie auseinander und griff nach dem erstbesten Gegenstand den sie erwischen konnte. Zum Glück hatte Monty sich geistesgegenwärtig zusamengerollt, sonst hätte der Aufprall an der Stahlwand ihm sicher den Schädel zertrümmert. Aber so hatte er nur den Instrumententisch mit der Stirn gestreift, der daraufhin protestierend zu Boden krachte und seine Utensilien über den ganzen Raum verteilte. Das hatte ausgereicht, um ihm einen gehörigen Schrecken zu versetzten. Dann war Monty, genau wie das Mädchen, von dem Gas bewußtlos geworden, daß die Laborassistenten den Sicherheitsvorschriften entsprechend in das Labor geleitet hatten.
Diesesmal trennte eine dicke Glascheibe ihn von seiner Patientin, denn er hatte beschlossen, ihr Erwachen im Beobachtungsraum abzuwarten. Montys Augen waren auf die mutmaßliche Frau gerichtet. Beiläufig registrierte er, daß ihre Haare schneller nachwuchsen als er gedacht hatte. Um die Kopfverletzungen zu behandeln hatten sie sie natürlich vollkommen kahl rasieren müssen. Doch nun hatten sie bereits wieder eine beachtliche Länge von drei Zentimetern erreicht.
Sie lag einfach nur da und blickte sich um. Als sie nach fünf Minuten noch immer keinen Versuch machte daß Labor auseinanderzunehmen traute er sich endlich wieder hinein. Die Wachen hatten die lockeren Fixierbänder durch eine soliede Titanlegierung ersetzt. Monty selbst hatte darauf bestanden.
Zögernd ging er zu ihr hinüber.
„Was nun?“ fragte sie ausdruckslos. Die neuen Fesseln gaben nicht nach, also mußte sie sich etwas anderes einfallen lassen.
Monty zwinkerte irritiert. Er war davon ausgegangen, daß sie wenigstens ein kleines bisschen Angst zeigte. Aber da war gar nichts. In diesem Tonfall hätte sie ebensogut auf einem langweiligen Geschäftsessen sprechen können. Die Laute klangen sonderbar fremdartig.
„Hallo. Ich würde mich Ihnen zunächst gerne vorstellen. Mein Name ist Dr. Mon...t...y..hallo?“
Sofort nachdem der schwammig wirkende Kerl angefangen hatte zu sprechen, verlor Iannyss bereits jedwedes Interesse an ihm. Sie verstand kein einziges Wort. Ihr Blick schweifte aufmerksam durch das Labor, registrierte den Schacht, hinter dem sich die Belüftungsanlage befinden mußte, die große Glasscheibe, hinter der sich wie es schien noch wenigstens drei weitere Männer aufhielten und eine ganze Reihe interessanter Apparaturen, über deren Zweck Iannyss zu gerne Bescheid gewußt hätte. Es gab nur eine einzige Tür, die offenbar in den angrenzenden Glaskäfig führte.
„Hallo?“
Widerwillig richtete sie ihren Blick auf den Kerl im weissen Kittel. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 28 Okt 2007 15:27 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 3 |
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Er roch stark nach Schweiß, knetete immer wieder seine Hände und schien nicht so recht zu wissen, was er hier wollte.
„ Xed inves..Akktor Monty?“
„Ja!“ bestätigte Monty erfreut. “Richtig. Ganz genau. Mein Name ist Dr. Monty. Sie können mich also verstehen?“
„Sie sind ein Mensch?“
„Ganz genau, ganz genau!“ bestätigte der Doktor aufgeregt.
„Und sie tragen einen dieser Identifikations-Chips in Ihrem Gehirn?“
„Ähhm..ja?“
„Diese Chips verfügen über eine universelles Übersetzungsprogramm. Sie sollten das mal durckchecken lassen. Es hat ewig gedauert bis sich das Ding auf mich eingestellt hat.“ stellte Iannyss fest ohne ihren Blick von dem Gitter abzuwenden. 'nur lose augesetzt, keine Schrauben.' dachte sie.
Dr. Monty drehte sich für einen Moment um. Peinlich. Das war sooo peinlich. Er hatte eine Abneigung gegen diese Chips. Er hatte sich schon eine ganze Weile davor gedrückt, sich über das Web ein neues Update zu besorgen. Der Doktor befürchtete, dass jemand während der Verbindungszeit Zugriff auf die Daten nehmen könnte, die auf dem Chip gespeichert waren. Sein Name, seine Addresse, seine Krankengeschichte, einfach alles. Jedermann um ihn herum schien damit zurecht zu kommen. Er nicht. Deshalb verfügte er über eine ältere Version des Translators, die immer noch ein wenig Zeit brauchte, um die spezifischen Algorythmen einer Sprache zu entschlüsseln.
„Schön.“ Monty drehte sich wieder um. „Dann können wir uns ja unterhalten. Ich würde gerne Ihren Namen erfahren.“
Iannyss dachte daran, welcher Schrecken inzwischen mit ihrem Namen verbunden war. Einmal durfte sie miterleben, wie eine ganze Fürstenflotte, bestehend aus sechs schwer bewaffnetten Raumern sowie einigen dutzend Jägern, vor ihrer Jacht abdrehten, als sie sich identifizierte. Sie hatten sich sogar entschuldigt und Grüße an Fürst Grausam, ihren Ehemann, ausrichten lassen. Es hatte ihnen nicht viel genutzt. Iannyss hatte zugelassen, daß zwei der Schiffe nach hause 'humpelten', damit sie dafür sorgen konnten, daß sich keiner der Spinner mehr in ihren Herrschaftsbereich wagte.
„Das glaube ich eigentlich nicht.“
„Ab..n..ähmmm..“ Monty kochte langsam. Er war sein ganzes Leben lang Junggeselle geblieben. Er hatte die Frauen noch nie verstanden.
„Ich möchte doch nur wissen, wie ich Sie anreden soll, damit wir uns unterhalten können.“
„Wer hat hier das Sagen?“
Monty quickte leise. Unabsichtlich.
„W..wie bitte?“ In seiner rechten Hosentasche befand sich doch sicherlich noch ein Taschentuch. Der Schweiß drohte ihm in die Augen zu rinnen.
Iannyss begegnete solchen Geschöpfen nicht häufig. Aber immer noch oft genug um zu wissen, wie sie von ihnen das bekam, was sie wollte.
„W E R H A T H I E R D A S S A G E N ! ? !“ schrie sie.
Monty bewegte sich langsam zur Tür. Rückwärts. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 30 Okt 2007 12:38 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 4 |
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Niedergeschlagen saß der Doktor in der kleinen Kantine und starrte in seinen Kaffee. Er fühlte sich gedemütigt. Was eigentlich der natürliche Zustand eines Arztes in seiner Position war.
Wenn er jetzt zu seinem Vorgesetzten spazierte und ihm erklärte, daß seine Patientin sich unkooperativ zeigte und Vorderungen an ihn richtete, dann könnte er bestenfalls hoffen ausgelacht zu werden.
Er mußte also wieder da rein. So bald wie möglich.
Monty beobachtete fasziniert, wie der Dampf aus seinem Becher durch die Luft wirbelte und immer neue Muster erschuf.
Iannyss langweilte sich nicht. Die fünf Tage in völliger Dunkelheit, aus der sie trotz aller Bemühungen keinen Fluchtweg fand, gaben ihr endlich die Zeit die ihr bisher gefehlt hatte um über vergangene Ereignisse nachzudenken. Es war viel passiert. Vor allem beschäftigte sie die Frage, warum der Fürst sie geheirate hatte.
Die Zeit der Besinnung hatte sie erkennen lassen, daß er von dieser Hochzeit profitierte. Sein militärischer Einfluss war gewachsen. Die Galaxis fürchtete das Ehepaar noch weit mehr, als Fürst Grausam alleine. Er hatte das Gesetz geändert, welches es Frauen verbot in den Kampf zu ziehen, und ihr eine eigene kleine Flotte gegeben. Sie durfte sich jeden vorknöpfen, der 'zu nah am Zaun' herumstromerte. Auf diese Weise dezimierten sich die angrifslustigsten Eroberer praktisch von selbst.
Nun befand sie sich auf der Erde. Daran hegte sie nicht den geringsten Zweifel. Nirgendwo sonst in der Galaxis sah es dermaßen bescheuert aus.
Der schwitzende Mann mit der Halbglatze und dem Kranz aus dunklen, schütteren Haaren wartete bereits seit einer halben Stunde wieder hinter der Glasscheibe. Er sah sie immerzu an und nippte an seiner Tasse, deren Inhalt ihm vom Kinn tropfte und braune Flecken auf dem ehemals weissen Kittel hinterließ. Er bemerkte es offenbar nicht. Entweder war dieses Wesen sehr dämlich, oder sie hatte es gründlich eingeschüchtert. Beide Alternativen stellten sie zufrieden.
Endlich stand er auf und begab sich zur Verbindungstür.
„Da bin ich wieder!“ verkündete Dr. Monty mit einem nervösem Lachen.
Iannyss nickte ihm zu.„Ich habe eine Bitte.“ sagte Iannyss und demonstrierte, dass sie sich völlig unter Kontrolle hatte.
Der Doktor wippte erfreut auf den Fußspitzen. 'Das war ja einfach', dachte er. Er hatte sie da, wo er sie haben wolle. Jetzt hiess es drann bleiben!.
„Fräulein, es sollte Ihnen klar sein, dass Sie nicht in der Position sind, um Vorderungen zu stellen. Für Sie bin ich hier derjenige, der das Sagen hat! Sie werden einsehen, daß Sie mit mir kooperieren müssen solange Sie meine Patientin sind.“ Monty kam langsam in Fahrt. „Sie können mich natürlich bitten, um was sie wollen. Aber es ist meine Entscheidung, ob ich ihnen ihre Bitte auch erfülle. Sie werden sich da ganz nach mir richten müssen, denn ich bin hier der Arzt. Und wenn ich merke, daß Sie nur rumalbern, dann werde ich ungemütlich! Sie sollten mich also vielleicht lieber nicht um etwas bitten. Nicht, ohne mir vorher ein paar Fragen zu beantworten. Haben Sie das verstanden?“
„Müsst ihr Menschen eigentlich nie aufs Klo?“ _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 31 Okt 2007 18:40 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 5 |
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Dr. Monty saß erneut in der Kantine.
Die Schwester kümmerte sich um die Bedürfnisse der Patientin. Niemand kümmerte sich um seine. Also saß er da. Er wußte, wenn er sich jetzt in sein Arbeitszimmer zurück zog, dann würde er den ganzen Tag über nicht wieder heraus kommen.
Iannyss war sich darüber im Klaren, daß sie eine Menge Feinde hatte. Was sie nicht ahnte war, daß sie auch Freunde hatte. Es gab tatsächlich ein paar Leute, die sich nicht allzusehr vor ihr fürchteten und sie sogar ein wenig mochten. Die meißten von ihnen gehörten interessanterweise zu ihren Feinden.
Die Fürstin wußte nichts davon. Sie wußte nicht, daß ihr Mann Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte, um sie zu finden. Sie hatte keine Ahnung, daß außgerechnet ein Mensch von der Erde unterwegs war, um sie zu retten. Aber das war in Ordnung, denn zu diesem Zeitpunkt wußte nichteinmal der betreffende Mensch selbst von seinem Vorhaben. Und vor allem besaß sie keinerlei Kenntnis davon, daß auch von der Basis auf der Erde aus fieberhaft an ihrer Rettung gearbeitet wurde.
General Woltar stand am Fenster (siehe Fussnote) und blickte hinaus. Er erwartete eine ganz bestimmte Nachricht.
„S..Sir?“ Das Wort war kaum zu hören, weil der Soldat sehr leise sprach. So als wäre es ihm lieber wenn der General ihn einfach übersah.
„Was gibt es?“
„Sie werden im Bereitschaftsraum erwartet.“
„Tatsächlich? Und von wem?“
„Tja, also...wenn sie ganz normal angezogen wären, dann würde ich sagen, es handelt sich und die Mitglieder von Einheit Sieben.“
„Und was möchten sie?“ fragte der General aufgeregt.
„So wie es aussieht haben sie sich alle zu einem spontanen Ausflug entschlossen und erwarten jetzt ihre Zustimmung. Ich fand's auch eigenartig, Sir.“
„Was soll daran eigenartig sein?“ fuhr der General ihn an. „Diese Leute haben in der letzten Zeit sehr viel gearbeitet!“ eschoffierte er sich. „Da ist es doch nur natürlich, wenn sie mal ausspannen wollen!“
Tatsächlich war er sehr erleichtert. Diese Amnesie-Trigger konnten manchmal tückisch sein. Wells zum Beispiel schien jedes Mal vollkommen durchzudrehen, wenn die Erinnerung wieder einsetzte. Heute schien alles glatt gelaufen zu sein. Er war einigermaßen stolz auf sich. Die Idee, den Trigger mit einem frisch fingierten Eintrag im persönlichen Web-Kalender jedes Expeditionsmitglieds zu koppeln, stammte alleine von ihm.
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Fussnote:
Die Basis, auf der der General sich aufhielt, befand sich mehrere Meter unter der Erde. Es gab keine Fenster. Was es aber gab waren fenstergroße Flachbildschirme, die jede beliebige Außenansicht simulieren konnten. Der in General Woltars Büro zeigte einen friedlichen europäischen Wald. Die Standardeinstellung, mit der das Gerät ausgeliefert wurde. Woltar hatte nie herausgefunden, wie sie sich ändern ließ. Aber er war entschlossen, es irgendwann herauszufinden, ohne um fremde Hilfe bitten zu müssen. Und zwar deswegen, weil er den Wald nicht ausstehen konnte, aber zu stolz war um zuzugeben, dass das verdammte Ding cleverer war als er. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 02 Nov 2007 19:57 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 6 |
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Aber schließlich war er ja auch die meißte Zeit über der einzige, der von dem Trigger (siehe Fussnote) Kenntnis hatte.
Als die Mitglieder der Einheit ihren Account aufriefen, um die Morgenzeitung zu lesen, und dabei natürlich auch einen Blick auf die Kalendereinträge warfen, wurde der Trigger deaktiviert. Die leichte Benommenheit, die die zurückkehrenden Erinnerungen stets begleitete, dürfte inzwischen abgeklungen sein. Und für das Team war es auch nicht das erste mal. Die Anweisung im Kalender war klar formuliert. Sie mußten nur zur angegebenen Zeit im Bereitschaftsraum zur Verabschiedung erscheinen.
„Wie Sie meinen, Sir. Ich persönlich ziehe es vor rechtzeitig einen Antrag auf Urlaub zu stellen, aber das ist natürlich nur meine persönliche Ansicht.“ erwiderte der Soldat trotzig. Immerhin leistete auch er gute Arbeit und wußte, daß er trotzdem mit solchen Mätzchen nie durchkommen würde. Aber des Generals Lieblinge durften...
„Dann gehe ich wohl besser und mache sie darauf aufmerksam.“ schmeichelte der General. Er wurde wieder etwas lauter. „Die Anträge wurden bereits vor einer Woche eingereicht! Sie liegen hier auf meinem Schreibtisch. Und Sie mischen sich da besser nicht ein, verstanden?“
„Verstanden!“ versicherte der Soldat, der nun gar nicht mehr wußte, was er denken sollte. Wenn die Anträge bereits vorlagen, warum warteten die Urlauber dann auf eine Erlaubnis? Soldat Kennedy beschloss, wieder auf seinen Posten in der Zentrale zurückzukehren. Auf dem Weg würde er noch einen Kaffee für Molly besorgen und dann weiter mit ihr flirten.
'Verdammte Anträge!', dachte Woltar auf dem Weg zum Bereitschaftsraum. Er würde schnell noch welche fälschen müssen.
Fünf Augenpaare blickten ihn erwartungsvoll an. Eines davon gehörte nicht hierher. Und zwar das von dem Sprengstoffexperten Robert T. Wells. Woltar sah eisern darüber hinweg. Die Überwachungskamera lief und beobachtete nicht nur alle anderen, sondern auch ihn. Vierundzwanzig Stunden am Tag.
Kondor, Botschafter der Jungas und ein guter Freund von Woltar, würde seinen Leuten unterwegs erklären müssen, warum er Roberts Aussehen kopiert und damit seinen Platz eingenommen hatte. Die Jungas waren zu erstaunlichen Dingen fähig.
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Fussnote
Es hatte sich in den letzten zwei Jahren eine Menge in der äußeren Außenpolitik ergeben. Zum Beispiel der Umstand, dass die Basis von General Woltar inzwischen die Funktion einer Botschaft übernommen hatte. Wann immer einer ihrer ausserirdischen Verbündeten mit der Erde Kontakt aufnehmen wollte, dann meldete er sich meistens auf der Basis. Eine Folge des Umstandes, das es zuvor die Leute eben dieser Basis gewesen sind, die ihrerseits mit den Ausserirdischen in Kontakt traten. Während die Jungas sich über die Fortschritte der Menschheit freuten, war Fürst Grausam, Herrscher über einen erheblichen Teil der Galaxis, anfangs nicht ganz so erfreut und bemühte sich nach Kräften, die Neugier der Menschen möglichst effektiv und endgültig einzudämmen. Eines Tages änderte er seine Ansichten radikal und beschloss, sich mit den Menschen anzufreunden. Da sein Volk, insbesondere seine Frau Iannyss, nichts davon erfahren sollten entschloss man sich zur Geheimhaltung und sorgte bei einigen 'Wissenden' für kontorllierten Gedächtnisverlust, der sich bei Bedarf unter Zuhilfenahmen der Trigger-Technik an- und abschalten ließ. Man konnte die Betoffenen schließlich nicht durch die Galaxis schicken, in dem Wissen, daß es sich bei dem was sie taten nur um eine Art Spiel handelte. Ausserdem bestand immer die Gefahr, daß Iannyss sie fand und ihnen ein paar Fragen stellte. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 02 Nov 2007 20:01 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 7 |
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Mit diesem kleinen Täuschungsmanöver schlugen sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens erfuhr niemand etwas davon, daß Robert die Erde vor einigen Tagen verlassen hatte, und zweitens mußte Woltar niemandem erklären was einer der Außerirdischen auf der Erde verloren hatte, falls die Sache schief ging. Kondor hatte es sogar auf sich genommen, einen Identifikations-Chip mit Wells Daten zu tragen. Zwar erst nach einigen, sehr heftigen Protesten, aber immerhin.
Zugegebenermaßen waren die Chips die für die Mitglieder der Basis verwendet wurden eigentlich nur Maskerade. Dem Chip zufolge war sein Träger ein verheirateter Bolivianischer Unterwäschevertreter mit einer leichten Blasenschwäche (siehe Fussnote).
Aber jeder mußte einen tragen. Die Kontrollen da draußen waren sehr streng. Und natürlich würde es auffallen, wenn einer seiner Leute plötzlich komisch redete und kein Wort mehr verstand, weil er nicht über die entsprechende Übersetzungssoftware verfügte, die in den Chip integriert ist.
„Da sind Sie ja alle. Schön, sie zu sehen. Sie wollen also Urlaub machen? Ist eine wunderbare Sache, so ein Urlaub. Und sie fahren alle gemeinsam? Wie nett.“ Woltar rasselte seinen Text herunter, als würde er ihn von einem Spickzettel ablesen. „Haben Sie sich schon für ein Ziel entschieden? Nein? Also ob Sie es glauben oder nicht, ich hätte da etwas für Sie. Ein wundervolles, ruhiges Plätzchen am See, ganz in der Nähe einer zauberhaften kleinen Stadt namens 'Warschau'. Ein Freund hat mir erzählt, dort könnte man ganz ordentlich Schlitten fahren. Ich habe mir von ihm die Adresse einer kleinen Pension geben lassen. Wollte da immer schonmal hin. Aber sie wissen ja, wie das ist. Ich habe viel zu viel zu tun, um in der Weltgeschichte herumzugondeln. Hier ist sie.“ Damit übergab er Adelbi einen Zettel, auf dem einige Worte und ein paar Zahlen standen. Der hoch gewachsene Südafrikaner steckte das Stück Papier schnell in seine Jackentasche und bedankte sich.
„Und soll ich ihnen noch etwa sagen? Sie können sogar den Großtranspoter benutzen. Er war für einen Transport von Einheit Zwei nach Cleeveland vorgesehen, aber wie es der Zufall so will mußte die Expedition bis auf Weiteres verschoben werden. Ich könnte schnell anrufen und den Termin für Sie reservieren, was halten Sie davon?“
* * *
Und wieder stand er vor ihr. Dr. Monty wirkte immer unglücklicher.
„Sehen Sie, es ist doch so,“ stammelte er, „Sie sind nunmal hier. Undundund deshalb, also deshalb könnten Sie ruhig mal mit mir reden. Weil sie doch so oder so hier nicht weg können, meine ich. Jedefalls nicht, bevor ich mit meiner Arbeit fertig bin. Hey, was halten Sie von folgendem Vorschlag: Ich stelle ihnen ein paar Fragen, und sie beantworten sie einfach. Na? Geht das für Sie in Ordnung?“
Iannyss fragte sich, ob die Abdeckung des Belüftungsschachtes verschraubt war, oder nur locker aufgesetzt.
„Nein? Lieber Himmel, das ist doch wirklich nicht so schwer! Ich fange einfach mal an und Sie können ja einsteigen, wenn Ihnen danach ist, ok? Na schön, dann...“
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Fussnote
Die Programmierer der Basis hielten nicht viel von ihren Kollegen im Außendienst und machten sich gerne mal lusitg über sie. Für Programmierer ist so ein Verhalten vollkommen normal. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 05 Nov 2007 19:00 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 8 |
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'Das könnte von entscheidender Bedeutung sein.' dachte Iannyss weiter. Es wurde Zeit sich über den Heimweg Gedanken zu machen. Schließlich wollte sie nicht ewig hier bleiben. Nur so lange, bis sie sich bei allen Beteiligten gründlich revangiert hatte.
Sie hatte sich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß nicht nur die physische Folter Spuren hinterließ. Die Menschen waren offenbar entschlossen sie langsam zu zermürben. In Gedanken hatte sie schon einige Pläne gemacht, die sich mit der nahen Zukunft gewisser Personen befassten. Insbesondere die sadistische Krankenschwester tauchte dort oft auf. Und der Küchenmeister. Was man ihr hier als Essen vorsetzte war ansich schon eine Kriegserklärung. Weich gekochtes, pampiges und geschmackloses Zeug, das sie nur deshalb als Gemüse identifizieren konnte, weil man ihr gesagt hatte, das es welches war. ('Essen sie ihr Gemüse hübsch auf, Fräulein. Wenn sie es mir wieder zurück geben, wie das letzte Mal, dann muß ich ein ernstes Wort mit dem Chefarzt reden sobald er wieder da ist!') Offenbar war 'der Chefarzt' jemand, vor dem man sich fürchten sollte. Vielleicht eine Art 'Oberster Befrager'?
„...gefunden wurden?“
Oha, da hatte Iannyss vielleicht gerade etwas Wichtiges verpasst.
„Wie bitte?“
„Ob Sie uns nicht wenigstens verraten können, warum sie dort waren? Sehen Sie, meine Aufgabe besteht unter anderem darin, ihnen Gesundheit zu bescheinigen. Wenn sie ein Mensch wären, dann gäbe es damit kein Problem. Für einen Menschen wären sie in Topform. Aber Sie sind nunmal keiner. Leider wissen wir noch immer so gut wie gar nichts über Sie.“
„Über mich?“
„Natürlichnatürlich! Sie sind ein unglaubliches Phänomen, wissen sie das? Natürlich wissen Sie das. Aber für uns war es eine große Überraschung. Als man sie vor ungefähr einer Woche fand, da lagen sie unter Tonnen von Steinen verschüttet auf einem anderen Planeten. Ganz allein. Da wären sie doch auch neugierig, oder nicht?“
Iannyss antwortete nicht, aber sie sah ihn erwartungsvoll an, was Dr. Monty insgeheim als Erfolg verbuchte. „Eines unserer Expeditionsteams hat sie gefunden.“
„Unserer? Teams?“
„Oh ja. Das war schließlich ihre Aufgabe, nicht wahr? Nunja. Eine davon. Aber das vergessen Sie lieber wieder. Hätte ich gar nicht sagen sollen. Das regt Sie bestimmt viel zu sehr auf und Sie müssen sich vorerst noch schonen. Sie waren volle fünf Tage bewußtlos. Einmal sind sie im Fieber aufgestanden und haben alles kurz und klein geschlagen. Deshalb haben wir sie vorsichtshalber ruhig gestellt, als wir sie hier in das Labor verlegt haben. Und fixiert, was ja offenbar nicht viel genutzt hat.“ Der Doktor machte eine Pause. Iannyss schwieg beharrlich. Dr. Monty hatte, wenn er ehrlich zu sich selbst war, auch nichts anderes erwartet. Er wußte nicht, daß er Iannyss Interesse durchaus geweckt hatte. Aus reiner Gewohnheit plapperte er weiter. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 06 Nov 2007 14:07 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 9 |
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„Sehen Sie, ich bin hier eigentlich nicht in meiner Eigenschaft als Artz beschäftigt, sondern als Exobiologe. Ich habe mich nach meinem Medizinstudium auf die Untersuchung extratrrestrischer Lebensformen spezialisiert.“
Es gefiel Iannyss nicht, als 'extraterrestrische Lebensform' bezeichnet zu werden. Es gefiel ihr ganz und gar nicht. Aber zumindest erklärte es eine Menge. Und jetzt wußte Iannyss auch, wie sie vorgehen mußte. Es würde ihr nicht helfen, einfach nur dem Druck nachzugeben. Der Trick bestand darin, urplötzlich jeden Widerstand aufzugeben. So schnell, daß der Gegner das Gleichgewicht verlor und vornüber kippte. Dann mußte sie nur noch kräftig ziehen und er würde vor ihr im Staub liegen.
„Schschsch...“ machte Iannyss. „Streng geheim!“ Sie lächelte und zwinkerte ihm zu. Monty konnte sein Glück gar nicht fassen und redete und redete.
„Ja. Ja natürlich. Entschuldigung. Also worauf ich hinaus wollte ist, daß ich als Arzt natürlich eine vollkommene Fehlbesetzung für die Stelle war. Ein gewöhnlicher Biologe hätte absolut ausgereicht. Das einzige extraterresstrische Leben, daß ich hier bisher untersuchen durfte waren irgendwelche winzigen, tiefgefrorenen Einzeller, die man von irgendeinem gottverlassenen Asteroiden oder einer Planetenoberfläche abgekratzt hat. Totlangweilig, das kann ich Ihnen sagen.“
„Heißt das, sie haben da draußen noch gar nichts anderes gefunden?“fragte Iannyss, ehrlich verblüfft. Ihrer Erfahrung nach war das Universum randvoll mit irgendwelchen Leuten, die sich allesamt verschworen hatten den Kampf um die Trophähe für die dämlicheste Lebensform der Galaxis auszufechten. Typisch für die Menschen, dass sie da gleich mitspielen wollten.
Monty ließ sich auf den Stuhl nieder. Er hatte heute bereits eine Menge erreicht. Vielleicht konnte er morgen schon einen vollständigen Bericht vorlegen.
„Nein“ seufzte er. „Bisher haben wir noch nichts anderes gefunden.“
„Aber die Menschheit hat doch längst...“
„Ach, die Menschheit!“ Monty spuckte das Wort beinahe aus. „Immer heißt es 'die Menschheit'! 'Die Menschheit macht einen großen Schritt nach vorne.' Ha! Für unsereins bedeutet das doch nur, daß alle anderen einem immer einen Schritt voraus sind. Ich meine, die Jungas marschieren hier unten nicht gerade ein- und aus.“ eschoffierte er sich. „Ich habe diesen Kondor bisher nur im Web gesehen. Macht ja ganz schön was her. Ich frage mich, warum er keine Tönungscreme verwendet wenn er im Web auftritt. Er wirkt immer etwas blass, finden Sie nicht? Ich muß dauernd an eine schwarz-weiß Fotorafie von einem Indianer denken. Ich finde das zum Heulen. Warum nur sehen alle da draußen fast so aus wie wir? Na schön, nicht jeder ist so groß wie der Typ, und für diese Haare würde mancher sicher töten,“ Monty dachte da in erster Linie an sich selbst, „aber nützt der Kerl uns vielleicht irgendwie? Kommt er mal vorbei und sagt 'Hallo Leute, ich dachte, ich könnte mich ja mal von euch untersuchen lassen, was haltet ihr davon? ' Nein. Macht er nicht. Er stänkert die ganze Zeit nur rum. 'Huuu...fürchtet euch vor dem großen bösen Wolf!' Soll ich Ihnen was sagen? Wenn dieser andere Typ, dieser Herzog Gemein...“ „...Fürst Grausam“ korrigierte Iannyss ihn beiläufig, „Danke sehr. Also wenn dieser Grausam hier plötztlich auftauchen würde, ich sage Ihnen, das wäre der beste Tag meines Lebens.„ _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 08 Nov 2007 13:15 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 10 |
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„Glauben Sie wirklich?“ fragte Iannyss zweifelnd.
„Oh ja! Ich würde ihn nur zu gerne fragen, wie diese Schilde funktionieren. Unsere tollen Verbündeten erzählen uns ja nie etwas. Und sein Blutbild erst... das wäre bestimmt die reinste Symphonie.“ Der Doktor schwieg einen Augenblick. Etwas war ihm im Verlauf des Gespräches sonderbar erschienen. Was war das gewesen?
„Die Menschheit, die Mensch...“ grübelte er laut. Dann hatte er es.
„Sie kennen die Menschen?“
Iannyss zögerte. „Jjjaa?“
„Das ist interessant. Ich bin ganz fest davon ausgegangen, daß Sie gar nichts von uns wüßten. Aber natürlich, der Chip! Sie wußten von dem Chip!“ Monty wurde immer aufgeregter. „Wissen Sie, als wir Sie auf diesem gottverlassenen Planeten gefunden haben dachten wir sofort daß sie dort heimisch wären. Eigentlich macht das gar keinen Sinn. Sie waren dort ganz alleine. Es wurde nichtmal eine Hütte oder etwas ähnliches gefunden, geschweige denn andere Ihrer Art. Es wurde auch nichts gefunden, das auf Technik oder Raumfahrt oder so hingedeutet hätte. So, wie es aussieht, kommen Sie gar nicht von dort, richtig?“
Iannys erinnerte sich. Sie war mit ihrer Jacht und drei weiteren Schiffen aufgebrochen, um ein Versteck des Widerstandes auszuheben. Leider zu spät. Alles, was sie im Inneren der Höhle noch vorfanden, waren leere Wohnstrukturen, völlig ausgeräumt, und eine aktivierte Bombe. Iannyss, die den anderen ein ganzes Stück voraus ging, hatte sofort Alarm gegeben und ihre Leute auf der Stelle zurück zu den Schiffen gescheucht. Sie selbst verließ die Höhle als Letzte. Fast jedenfalls. Am Eingang mußte sie ein großer Stein am Kopf getroffen haben. Und dann war sie hier aufgewacht.
„Warum waren Menschen dort?“ fragte sie.
„Reiner Zufall würde ich sagen. Anscheinend ist das Team eher planlos durchs All gereist, in der Hoffnung, etwas Brauchbares zu finden. Neue Mineralien, besonders interessante Tiere, was weiß ich. Dem Bericht zufolge haben die Jungs auf dem Planeten eine Art Wärmequelle entdeckt und wollten sie näher untersuchen. Aber man fand dort nur jede Menge Trümmer... und Sie. Man hat Sie hier her gebracht, wir haben Sie gesund gepflegt und jetzt unterhalten wir uns.“
Das alberne 'Ach-wie-herrlich,-endlich-Urlaub!-Ist-es-nicht-wunderschön-hier'-Getue endete schlagartig, als sie die Stadtgrenze passierten und sicher sein konnten, nicht mehr beobachtet zu werden. Alles war sehr gut gelaufen. Die 'kleine Pension' hatte sich erwartungsgemäß als geheimer Mini-Stützpunkt herausgestellt. Woltars Einfluss konnte eine Menge ausrichten.
Sie wurden dort mit Ausrüstung, angemessener Kleidung, Waffen, Munition und Informationen versorgt. Nicht zu vergessen der Wagen in dem sie sich nun in Richtung Zielort auf den Weg machten. Ein quietschbunter, klapperig wirkender Kombi. Ein unauffälliges Fahrzeug, wie Touristen es gerne mieteten. In der Regel Großfamilien. Man sah der Kiste nicht an, wie sehr sie aufgemotzt und gepanzert war. Gut so. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 09 Nov 2007 16:34 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 11 |
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Einsatzleiter Adelbi (Indem Woltar ihm das Stück Papier überreichte ernannte er ihn automatisch zum Kommandanten für diesen Auftrag) ging alle Informationen noch einmal durch, angefangen bei dem Gespräch mit dem General.
'Da sind Sie ja alle. Schön, sie zu sehen.'
Gut, daß mit dem Trigger alles glatt gegangen ist.
Sie wollen also Urlaub machen?
Ich habe einen Auftrag für Sie.
Ist eine wunderbare Sache, so ein Urlaub.
Es ist wichtig.
Und sie fahren alle gemeinsam? Wie nett.
Sie werden alle dabei gebraucht.
Haben Sie sich schon für ein Ziel entschieden? Nein? Also ob Sie es glauben, oder nicht, ich hätte da etwas für Sie.
Ich nenne ihnen jetzt ihren Einsatzort.
Ein wundervolles, ruhiges Plätzchen am See, ganz in der Nähe einer zauberhaften kleinen Stadt namens 'Warschau'.
Eine bewachte unterirdische Einrichtung in der Nähe von Warschau.
Ein Freund hat mir erzählt, dort könnte man ganz ordentlich Schlitten fahren. Ich habe mir von ihm die Adresse einer kleinen Pension geben lassen.
Es wird heiß her gehen. Alles, was sie für ihren Einsatz benötigen, finden Sie unter der angegebenen Adresse.
Wollte da immer schonmal hin. Aber Sie wissen ja, wie das ist. Ich habe viel zu viel zu tun, um in der Weltgeschichte herumzugondeln.
Ich persönlich bin der Koordinator und Sie werden niemandem außer mir Bericht erstatten.
Und soll ich ihnen noch etwas sagen? Sie können sogar den Großtranspoter benutzen. Er war für einen Transport von Einheit zwei nach Cleeveland vorgesehen, aber wie es der Zufall so will mußte die Expedition bis auf Weiteres verschoben werden. Ich könnte schnell anrufen und den Termin für Sie reservieren, was halten sie davon?
Es war ziemlich schwierig, sofort einen Termin beim Transporter zu bekommen. Ich mußte dafür ein anderes Team sabotieren, aber es eilt.
Der Wirt ihrer 'Pension' begrüßte sie überschwenglich. Sie kamen sich vor wie bei einem Besuch auf Hawai, nur der Blumenkranz fehlte. Der Wirt zeigte ihnen ihr 'Zimmer', das wie sich herausstellte, ein gut verstecktes Loch in der Kellerwand war. Mit einem Gang dahinter, der in einem weiteren dunklen Raum mündete. Dieses Versteck wurde nicht oft benutzt, war zwar leicht angestaubt aber in gutem Zustand. Genau wie der Kombi, die automatischen Waffen, die Headsets und der Snackautomat, die drin enthalten waren. Joschi und Adelbi untersuchten den Wagen. Im Kofferraum fanden sie angemessene Kleidung. Das war erfreulich. Keiner von ihnen fühlte sich lange wohl, wenn er nicht den schwarzen, robusten 'Kampfanzug' mit dem kugelsicheren Kevlarfutter auf der Haut spürte. Sie würden sich allerdings erst kurz vor ihrem Ziel umziehen. Eine Ladung Soldaten in einem schreiend bunten Familienauto würde vielleicht doch zu viel Aufmerksamkeit erregen.
Auf dem Fahrersitz fand Joschi ein weiteres Stück Papier. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 10 Nov 2007 12:12 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 12 |
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Es war ein Briefumschlag, den der General offenbar vor zwei Tagen ganz ordinär mit der Post abgeschickt hatte. Als Absender diente eine gewisse Jenni Smasuarg aus Memphis. Auf der Rückseite tanzten lachende Strichmännchen um die Worte 'Kommt mich doch mal besuchen!' herum. Joschi grinste. Er reichte den Umschlag an Adelbi weiter. Adelbi schmunzelte zumindest. Das war dem General bestimmt nicht leicht gefallen.
Der Umschlag enthielt eine Postkarte mit einem Foto von einem Haus im Wald. Offenbar ein Ferienhaus. Überschrieben war es mit den Worten:
„Ein lohnendes Ausflugsziel“ und darunter fanden sie einen kleinen Lageplan, in dem die Lage des Hauses gekennzeichnet war. Unter dem Lageplan fand sich der handgeschriebene Hinweis 'ideal für wenigstens sieben Gäste', was bedeutete, daß sie dort mit wenigstens sieben Wachen rechnen mußten. Das war schon fast alles.
Auf der Rüchseite standen Worte 'Viel Spaß'. Die Nachricht war so harmlos gestaltet worden, daß Adelbi den Hinweis auf den Eigentümer des Hauses beinahe übersah. Er war auch nicht vom General hinzugefügt worden, sondern Teil der Abbildung. Und demnach war der Eigentümer und Vermieter des Hauses die Abtei 'zur seeligen Mathilda', also die katholische Kirche.
'Der Vatikan', dachte Adelbi. 'Wer hätte das gedacht?'
„Und was ist das hier?“ fragte Iannyss neugierig.
„Also das ist unser Aufenthaltsraum. Sehen Sie, dort steht der Webschirm, das Sofa, der Kaffeeautomat, naja, eben alles, was man so braucht um sich zu entspannen. Manchmal sind die Leute hier tagelang im Dienst, wissen Sie?“
„Ohwieschön“ heuchelte das Mädchen. Sie war nicht sehr gut darin.
„Wie Sie meinen. Gibt es noch etwas, das Sie sich gerne ansehen würden?“
„Ich würde schrecklich gerne einen Blick in die Küche werfen.“ die Antwort kam vielleicht einen Tick zu schnell.
„In die Küche?“ Das hatte der Doktor nicht erwartet.
„Oh ja. Ich ...interessiere mich...für...das...Kochen.“
„Also wenn es Ihnen so viel bedeutet, dann gehen wir uns jetzt die Küche ansehen. Versprochen ist versprochen. Sie waren so freundlich, mich bei den Tests zu unterstützen,...“
Iannyss zitterte leicht, als sie daran dachte. Manchmal verlangte das Leben Opfer. „...und nun ist es am mir, meinen Teil der Vereinbarung einzuhalten und Ihnen hier alles zu zeigen.“
„Wissen Sie auch etwas über das Belüftungssystem hier? Da, wo ich herkomme, haben wir ständig Probleme damit. Hier scheint alles prima zu funktionieren. Sagenhaft! Und wir befinden uns wirklich dreissig Meter unter der Erdoberfläche? Faszinierend.“ So langsam bekam sie den Dreh raus.
„Oh ja? Nun, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Muß wohl eine Art Kreislauf sein. Das alles hier funktioniert offenbar ganz gut. Bestimmt haben wir hier irgendwelche Techniker, die sich um alles kümmern.“
„Wieviele Leute arbeiten denn hier?“
„Es ist eine sehr kleine Anlage. Nur für fünfzig Personen ausgelegt. Aber mit Ihrer Hilfe bekommen wir vielleicht endlich die finanziellen Mittel um uns zu vergrößern. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 12 Nov 2007 13:58 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 13 |
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Ach, darauf warten wir schon so lange.“ schwärmte Dr. Monty. „Immer hieß es, wie würden erst mehr Geld bekommen, wenn wir endlich Erfolge vorzuweisen hätten. Ich würde sagen, ihr Metablismus ist ein Erfolg.“ Monty strahlte.
„Was ist denn so besonderes an meiner Körperchemie?“
„Das wissen sie nicht? Nun, Sie wurden nicht auf der Erde geboren. Und deshalb haben sie sich wohl an andere Lebensbedingungen angepasst als die Menschen. Das sie dieselbe Luft atmen können ist eigentlich ein kleines Wunder. Und ihre DNS gibt uns weitere Rätsel auf. Außerdem haben Sie einen Erdrutsch überlebt. Und sehen Sie das? Sie haben nicht eine einzige Narbe. Obwohl sie ganz übel zugerichtet waren, als man sie her brachte. Das ist bemerkenswert. Wenn wir erstmal herausgefunden haben, wie Sie das anstellen, dann können wir ein paar Verbesserungen an uns selbst vornehmen.“
„Verbesserungen?“
„Oh ja! Mich hätte dieser Erdrutsch wahrscheinlich sofort umgebracht.“
Iannyss gestattete sich bei dieser Vorstellung das zufriedene Lächeln einer satten Katze. „Und ich glaube,“ fuhr der Doktor fort, „das gilt auch für alle anderen. Aber wenn wir dafür sorgen könnten, daß wir genauso schnell heilen, wie sie, dann könnten wir...“ Monty brach ab.
„Was?“
„Ach, ich weiß auch nicht.“ Der Arzt fühlte sich plötzlich unwohl.
„Sie dachten an ihre Soldaten, nicht wahr?“
„Nein. Na gut. Vielleicht. Also gut, ja! Na und? Es sind ja im Grunde gar keine richtigen Soldaten.“
„Keine 'richtigen'? Meinen Sie, die hätten eine Art Teilzeitjob?“
„Wie bitte? Oh nein. Ich meine, wir sind schließlich nicht vom Militär.“
„Nicht?“
„Ähmm...nein. Wir arbeiten...für jemand anderen. Kommen Sie, hier ist die Küche.“
„Einen Moment noch. Was ist denn das hier, an der Wand?“ Iannyss blieb für einen Moment stehen und zeigte auf einen Metallkasten an der Wand.
„Ein Notfall-Kit.“ erklärte der Doktor. „Falls irgendwas schief läuft. Da haben wir eine Löschdecke, einen Verbandskasten und eine Gasmaske. Warum fragen Sie?“
Wuschhhh...(siehe Fussnote)
Als das Geräusch und das merkwürdige Ziehen in den Eingeweisen von Robert T. Wells sich endlich beruhigte versuchte er als erstes, sein Gleichgewicht wieder zu finden.
Vollkommene Dunkelheit umgab ihn. Wells hatte keine Ahnung, wo sie sich befanden. Als er sich bewegte, stieß er etwas um, das krachend zu Boden fiel. „Keine Sorge!“, beruhigte ihn sein Begleiter, Fürst Grausam. „Das hier ist das andere Ende der Raumroute. Wir sind ganz in der Nähe von dem Ort, an dem Iannyss festgehalten wird. Ich war schon ein paar Mal hier, um Vorbereitungen zu treffen. Leider kann man in dieser Gegend kaum brauchbares Material auftreiben. Nur gut, dass du deine Ausrüstung dabei hast.
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Fussnote:
Siehe 'Der letzte Feind'.
Dieses sonderbare Geräusch begleitete Fürst Grausam und Robert T. Wells auf ihrem Weg in das Unbekannte. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 15 Nov 2007 12:48 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 14 |
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Ich habe es immerhin fertig gebracht einen Wagen zu besorgen. Das war nicht so einfach. Die Menschen hier sind sehr sonderbar.
Man verständigt sich offenbar indem man sich so laut wie möglich anschreit. Sei also gewarnt.
Nachdem er die Klinke gefunden hatte öffnete er die Tür und trat aus der Besenkammer.
Robert stolperte irritiert hinter ihm her und fiel fast über den umgestürzten Schrubber. Die Luft roch muffig und leicht nach angebranten Eiern.
„Wo zum Geier sind wir denn hier?“
„In einem Vorort von Warschau, Erde.“
Sie standen in einem kleinem Flur mit vergilbter Tapete. Die Glühbirne der Deckenlampe gab ihr Bestes, was aber nicht ausreichte um echte Helligkeit zu schaffen. Aus einem der Zimmer, die an den Flur grenzten, ertönte ein Geräusch. Es hörte sich an, als würde ein Stuhl auf dem Boden zurechtgerückt. Dann folgten müde, schleppende Schritte. Die Klinke bewegte sich, die Tür knarrte und der Spalt zwischen Tür und Rahmen wurde langsam größer. Grausam wirkte plötzlich unsicher. So, als erwarte er im nächsten Moment ein schreckliches Ungeheuer zu sehen. Aber er rührte sich nicht von der Stelle.
Das Ungeheuer hinter der Tür entpuppte sich als ältere Dame in Rock, grauem Pullover und Plüschpantoffeln. Sie musterte die Neuankömmlinge.
„Also! das ist mal wieder typisch! Diese Ausländer! wissen einfach nicht wozu die verdammte klingel! da ist und dabei war der kerl schon drei mal! hier eine unverschämtheit ist das!...“
Der Redeschwall war offenbar nur für ihre eigenen Ohren bestimmt, denn nun ging sie auf Grausam zu, tippte ihm mit dem Zeigefinger energisch gegen die Brust und schrie:
„DU...KLINGELN..DA DRAUSSEN...NIX EINFACH REINKOMMEN, KLAR???“
Grausam bemühte sich, gleichzeitig still zu stehen und zurückzuweichen. Er nickte heftig.
„Entschuldigen Sie bitte, verehrte Frau...?“
„Sturzikova! Urszula Sturzikova! Für Sie Frau Sturzikova. Wäre ja noch schöner(!) wenn ich mit jedem Dahergelaufenen gleich Brüderschaft trinken würde! Ha! Aber wenigstens sprechen sie unsere Sprache. Dann können sie dem Vandalen hier vielleicht endlich klar machen, daß es in diesem Haus gewisse Regeln gibt!“ sie beruhigte sich etwas.
„Aber natürlich. Ich bin sicher, er hat sie nicht absichtlich verärgert.“
„Nadaswärejanochschöner!“
„Bestimmt dachte er,...Sie...“ Robert versuchte, möglichst schnell zu denken. „Also gut. Ich verrate ihnen jetzt ein kleines Geheimnis. Aber Sie dürfen mit niemandem darüber reden, versprochen?“
Ha! ichundreden! Mitwemsollteichschonreden? Kriege schließlichkaumbesuch...Raus damit, junger Mann!“
'Junger.Mann?'(siehe Fussnote) wunderte sich Wells.
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Fussnote
Robert hatte im letzten Monat seinen neunundvierzigsten Geburtstag gefeiert. Bei Frau Sturzikova lag dieses Datum offenbar schon so lange zurück, daß sie mit Recht alles als jung bezeichnen durfte, das die Hundertjahrmauer noch nicht durchbrochen hatte. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 16 Nov 2007 13:41 Titel: Mission Kurzurlaub - Seite 15 |
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Doch unbeirrt fuhr er fort: „Mein Begleiter hier stammt aus Japan und...“
„Ha!“
„...mußte von dort fliehen, weil er sich geweigert hat, weiterhin diesen Chip zu tragen. Sie wissen doch? Den Identifikations-Chip? Mit dem Übersetzungsprogramm? Deshalb kann er sie nicht verstehen. Ich dagegen schon. Ich habe diesen Chip noch und kann mich deshalb jetzt mit Ihnen unterhalten.“
„Hab mich für diesen neumodischen Unsinn nie interessiert. Er mußte fliehen, sagen Sie?“
„Ihn erwartet ein furchtbares Schicksal, wenn sie ihn erwischen.“
Frau Sturzikova kniff beide Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und blickte ihm geradewegs in die seinen.
„Wie furchtbar?“
„Vielleicht werden sie ihn foltern, wenn nicht gar hinrichten lassen.“
„Hmm...und das hat er bestimmt nicht verdient?“
„Ganz bestimmt nicht!“ log Wells.
Frau Sturzikova betrachtete ihren ausländischen Gast, als sähe sie ihn zum ersten mal. „Er ist also ein politischer Flüchtling, sagen Sie?“
„Politischer geht's schon gar nicht mehr.“
Die Frau entwickelte unerwartete Aktivitäten. Es war, als beobachte man die Verwandlung eines museumsreifen VW-Käfers in eine nageneue Corvette Firestorm. Noch bevor Wells registriert hatte, was vor sich ging, hatte sie Grausam bereits an der Hand genommen, ihn ins Wohnzimmer geführt, in einen bequemen Sessel gequetscht und ihm eine Decke umgehängt. Als Wells das Zimmer betrat drückte sie ihm gerade eine Teetasse in die Hand.
Polen war seit Jahrzehnten in keinen nenneswerten Krieg verwickelt, aber manche Verhaltensweisen wurden offenbar genetisch weitervererbt.
„Also gut, wir sind bald da. Und soweit ich weiß sind wir alle Informationen durchgegangen. Sie geben nicht viel her, oder was meint ihr?“ fragte Adelbi ohne rechte Begeisterung.
„Wir kennen immerhin den Einsatzort und wissen, mit wievielen Wachen wir rechen müssen.“ fasste Strangehood zusammen. Die Expertin für Nachrichtentechnik machte einen gelassenen Eindruck. „Und wir wissen, was wir dort zu tun haben.“ fuhr sie fort, während sie in ihrer Jackentasche nach einem Müsliriegel fahndete.“
„Darauf wollte ich gerade kommen. Wissen wir das?“
Strangehood sah ihn mit einem triumphierenden Blitzen in den Pupillen an. „Aber ja. Stand doch auf dem Umschlag.“
„Der Umschlag. Na klar. Und da stand,...“
„...daß wir Grausams Gefährtin Iannyss dort treffen sollen.“ vollendete Kondor den Satz, was ihm ein Kichern einbrachte.
„Gefährtin“ äffte Richárd ihn gekonnt nach, wobei ihr französischer Akzent und ihr Lächeln dem ganzen die Schärfe nahm. Adelbi fragte: „Echt? Man, wie hast Du das denn rausgekrigt?“
Strangehood war nicht der Typ Frau, der sich gerne etwas wegnehmen ließ. „Das kann doch wirklich jeder lesen!“ unterbrach sie. „Jenni Smasuarg. Na?“ Sie sah die übrigen erwartungsvoll an. _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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