Regine Goldblitzbold

Anmeldungsdatum: 15.04.2007 Beiträge: 473 Wohnort: Bääärlin
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 Verfasst am: 16 Nov 2007 17:04 Titel: Wo steckt Blondie? |
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Deutschland, Berlin, Wedding.
Der bereits recht betagte Herbst liefert sich mit dem jungen Winter einen ordentlichen Revierkampf und pisst aufgrund leichter Inkontinezprobleme an jeden Baum in der Nachbarschaft.
Ein blonder, nicht mehr ganz jugendlicher aber beileibe nicht alter, Mann sitzt auf einer der räudigen Parkbänke an der hiesigen Hauptstrasse. Das ist an sich nichts ungewöhnliches, denn er sitzt schliesslich jeden Tag dort. Und zwar allein, was ihn nicht daran hindert sich mit Freunden zu unterhalten, die zwar ausser ihm keiner sehen kann aber mit denen er sich wenigstens gut versteht. Früher konnte man dem Blonden bei Kampfsportübungen zusehen, oder bei dem Versuch sich aus aufgeweichtem Papier eine Zigarette zu drehen. In letzter Zeit machen er und sein Freund lieber Musik oder erzählen sich Witze. Leider nie laut genug, damit man auch etwas davon hat. Ich hbe jedenfalls noch keinen verstanden.
Man kennt Blondie. Genausogut oder schlecht wie 'Frau Wedding, die sich gerne in Tarnklamotten durch das Viertel trinkt, oder Herrn Wedding, der ausser einem langen Mantel und einem Bart keine Besonerheiten aufweist und seine Zeit damit verbringt unglücklichen Angestellten der Strassenreinigung oder des Elektrezitätswerkes seine Ansichten über das Leben zu vermitteln.
Bestimmt haben alle Drei auch richtige Namen, aber wer interessiert sich schon dafür? Keiner von ihnen ist ein besonders angenehmer Zeitgenosse.
Umso erstaunlicher scheint es, dass gestern tatsächlich irgendwer das Vorhandensein von Blondie auf seiner Bank registriert hat. Der Gute hatte sich ausgiebig einem Rotwein aus der Pappschachtel gewidmet und schlief den Schlaf der vier oder fünf Gerechten (die genaue Anzahl seiner Freunde kenne ich ja schliesslich nicht).
Das kann man schonmal falsch verstehen wenn man nicht von hier ist und aus lauter Sorge um einen Mitmenschen einen Krankenwagen bestellen.
Nichts dagegen einzuwenden.
Das die Krankenpfleger sich redlich bemühen, die hilflose Person in den Wagen zu bugsieren ist ebenfalls völlig verständlich und in Ordnung. Aber was nun, wenn der Betreffende aufwacht und feststellt, dass man ihn gerade entführen will?
Na, er wehrt sich natürlich. Logisch.
Die daraufhin alarmierte Polizei fand das wohl nicht und hat ihn, nicht ganz ohne Mühe, einkassiert.
Da fragt man sich doch:
Darf man den wirklich dafür verhaftet werden, dass man sich weigert in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, nur weil man auf einer Bank eingeschlafen ist?
Und: wo ist Blondie jetzt?
Dieser Staat ist voll gemein! _________________ Gott sei Dank bin ich Atheist! |
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